"Für diejenigen, die glauben, ist kein Beweis nötig. Für diejenigen, die nicht glauben, ist kein Beweis möglich" (Stuart Chase)

Donnerstag, 3. Mai 2018

Was Parapsychologen nicht verstehen - oder ein Vortrag in der österr. Gesellschaft für Parapsychologie von Univ. -Prof. Dr. Alexander Batthyány

Der neueste Vortrag der österr. parapsychologischen Geellschaft beschäftigte sich mit angeblichen Wundern.

"Zu dem "GESCHEITERTEN VERSUCH, EIN WUNDER ZU FINDEN" - so der Titel unseres letzten Vortrags über "religiösen Konsumentenschutz anhand von drei experimentellen Studien" (Alexander Batthyány) - gibt's erstens, wie immer (oder zumindest fast immer) ein paar Bilder, und zweitens gibt's auf unserer Website unter http://parapsychologie.ac.at/prog…/ss2018/batth/r_wunder.pdf ein PDF aller Folien dieses interessanten und aufgrund seiner Schlußfolgerungen sehr wichtigen Vortrags."

Das schreibt die Gesellschaft auf Facebook. Den Vortrag habe ich nicht besucht, ich kann daher nur auf die PDF eingehen. Dabei beruft sich der Vortragende auf den "religiösen Konsumentenschutz".

Selbstverständlich ist es legitim, wenn Parapsychologen behauptete "Wunder" hinterfragen und auch überprüfen. Allerdings sagen solche Studien meistens nicht viel über tatsächliche Möglichkeiten aus. Man wird verleitet, von einem einzelnen Vorkommnis ausgehend, auf alle anderen zu schließen.

Der Autor behauptet, hunderttausende Briten würden täglich beten: "God save the Queen!" Weil aber seiner Meinung nach die Menschen im Königshaus nicht gesünder wären, als der Durchschnitt der übrigen Bevölkerung, wäre das ein Beweis dafür, dass diese Gebete nichts nützen würden.

1. Es lässt sich nicht sagen wie ernst die Gebete gemeint sind und man weiß natürlich auch nicht, ob es nicht auch viele Menschen gibt, welche die Queen verfluchen. Auch das sollte man berücksichtigen.

2. Die Queen ist 92 Jahre alt und regiert noch immer. Da könnte man durchaus annehmen, dass die guten Wünsche sehr wohl wirken. Die übrigen Royals sind ja nicht ins Gebet mit eingeschlossen.

Das halte ich für ein schlecht gewähltes Beispiel, das aber so einiges darüber aussagt, wie der Wissenschaftler denkt.

Ein weiteres Beispiel betrifft eine angebliche Prophezeiung. Man findet sie auf einer Kopie, die mit der Zahl 17 (die meiner Meinung nach mehr als zufällig auftritt) auf der PDF zu finden ist. Woher genau diese Prophezeiung stammt und von wem sie gemacht wurde, schreibt der Autor nicht dazu. Jeder Mensch kann irgendwelche Behauptungen in Bezug auf die Zukunft aufstellen. Das bedeutet nicht, dass auch jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, gültige Voraussagen zu machen. Falsche Prophezeiungen beweisen umgekehrt aber auch nicht, dass es unmöglich ist, gültige Voraussagen zu machen.

Nicht die Fähigkeit wird in diesem Fall getestet, sondern Menschen die behaupten, sie besäßen die Fähigkeit, gültige Vorhersagen zu machen.

Paranormale Fähigkeiten treten selten auf Knopfdruck auf. Meistens geschehen sie spontan und oft auch wenig perfekt. Im Fall dieser Studie geht es um angebliche paranormale Fähigkeiten von drei Personen. Getestet wurden aber nicht sie, sondern Versuchspersonen.

1. Experiment, Prasadam.

Dabei handelt es sich nicht um eine angenommene Fähigkeit, sondern um den Glauben, Krishna würde Nahrung austauschen, usw.

Erwartungsgemäß wurde kein Beweis für diese Behauptung erbracht. Dazu müsse man auch wissen, wer die Versuchspersonen waren. Sonst kann man gar nicht beurteilen ob das Experiment sinnvoll war. Hätten sie telepathische Fähigkeiten, wüssten sie welcher Apfel angeblich "verändert" wurde und welcher nicht. Sie könnten dann theoretisch sich "richtig" fühlen, also so wie sie glauben sich fühlen zu müssen, was dann auch ein Placebo sein könnte. Man könnte also auch argumentieren, die Versuchspersonen hätten entweder keine telepathischen Fähigkeiten, oder sie könnten sie vielleicht haben, würden sich aber trotzdem nicht fälschlich anders fühlen, obwohl sie den angeblich "veränderten" Apfel gegessen haben.

Es beweist jedoch nicht, dass es keine telepathischen Fähigkeiten gibt und auch nicht, ob man einen Apfel verändern kann. Ob ein Apfel sich verändert hat, kann man nicht feststellen, indem man subjektive Reaktionen irgendwelcher Menschen feststellt, sondern nur indem man ihn untersucht.

2. Experiment, Kundalini

Auch bei diesem Test wird nicht die Person getestet die angeblich energetisch auf andere Personen wirkt, sondern die Betrachter ihres Fotos. Wie erwartet wird auch in diesem Fall "bewiesen", dass es diese energetische Wirkung nicht gibt. Ob die Testpersonen Anhängerinnen von Shri Mataji sind, wird nicht verraten. Es macht einen großen Unterschied, ob die Versuchspersonen irgendwelche Leute sind, oder Anhänger, die regelmäßig meditieren. Ob man an etwas glaubt, oder ob man es anzweifelt, kann vieles bewirken. Ganz besonders wenn das dann auch noch mit Konzentrationsübungen kombibiert wird.

3. Experiment Sri Chinmoy

Anhänger glauben, das Betrachten seines Fotos würde sie posititv beeinflussen. Auch in diesem Fall wurde erwartungsgemäß bewiesen, dass es diese Beeinflussung nicht gibt. Es wurden wieder die Personen getestet, welche das Bild betrachten sollten, jedoch nicht die Person mit der angeblichen Fähigkeit.

Beim dritten Experiment scheint es sich um Versuchspersonen gehandelt zu haben, welche Sri Chinmoy gar nicht kannten. Denn ihnen präsentierte man mehrere Männer in Form von Fotos und sie sollten sich für die Person entscheiden, die auf sie besonders beruhigend wirke. Das Foto von Sri Chinmoy wurde am seltensten gewählt. Bewiesen wurde damit, dass Sri Chinmoy den meisten Menschen offenbar unsympathisch ist. Was aber trotzdem nicht beweist, es wäre nicht möglich einen psychischen Kontakt auf paranormaler Ebene zu Sri Chinmoy herzustellen. Ich glaube man kann theoretisch mit jedem Menschen in einen psychischen Kontakt treten, wenn man sein Foto betrachtet. Doch nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Schon gar nicht wenn man ein Foto nur einmal und nur kurz präsentiert bekommt.

Die Aufgabe des Parapsychologen gestaltet sich nicht so einfach, wie Herr Prof. Batthyány es sieht, oder darstellt. Er macht psychologische Studien und keine parapsychologischen. Weil er voraussetzt, bei paranormalen Ereignissen müsse es sich um rein psychologische Effekte handeln. Deshalb sollten sich - wie ich schon mehrfach schrieb - Psychologen besser nicht mit Parapsychologie beschäftigen. Sie neigen dazu, alles psychologisch erklären zu wollen. An die  Parapsychologie sollte man jedoch ohne Vorurteile heran gehen. Was Sektenführer behaupten stimmt vermutlich oft nicht. Das bedeutet aber nicht unbedingt, es wäre nie wahr, nur weil es für Skeptiker unglaublich ist. Manchmal treten aufgrund langer Konzentration spontan paranormale Effekte auf, die nicht immer richtig interpretiert werden. Man kann sie nicht so einfach erzeugen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen