"Für diejenigen, die glauben, ist kein Beweis nötig. Für diejenigen, die nicht glauben, ist kein Beweis möglich" (Stuart Chase)

Dienstag, 1. Mai 2018

Parapsychologie

Ein sehr interessanter Artikel von Andreas Hergovich ist auf http://homepage.univie.ac.at/andreas.hergovich/php/gegenwaertiger_stand_parapsychologie_psychol_oe.pdf erschienen. Er ist insofern interessant, als der Autor Kritik an den "durchschnittlichen" Wissenschaftlern übt, wenn er schreibt: "Wissenschaftler sind geneigt, derartige Phänomene (paranormale Phänomene, Anmerkung) oder Erlebnisse leichthin als subjektiven Schein zu entwerten. Man muss sich aber bewusst machen, dass viele Wissenschaftler (v. a. Naturwissenschaftler) insgesamt die Tendenz haben, die Erlebnisebene, das spezifisch menschliche des menschlichen Vollzugs, das sich schwer in eine Dichotomie von subjektiv-objektiv einordnen lässt, als ephimärer Schein entlarven zu wollen."

Leider schüttet der Autor andererseits das Kind mit dem Bade aus indem er behauptet, paranormale Phänomene wären nicht physikalischer Natur und deshalb als Forschungsobjekt für Physiker ungeeignet. Nun bietet er Forschungen an, die sich an der psychischen Struktur der Versuchspersonen orientieren, was im Grunde genommen unterstellt, dass es keine paranormalen Phänomene gibt, sondern nur psychiche. Damit stellt er sich im Prinzip ja doch in die Reihe der Naturwissenschaftler, welche paranormale Phänomene als nicht exitent betrachten.

Mit einem Experiment unterstreicht er seine Theorie, so dass es wohl kein Missverständnis meinerseits geben kann wenn ich annehme, er würde dasselbe glauben wie die Naturwissenschaftler. Menschen würden sich meistens für einen Stern entscheiden, ließe man ihnen die Wahl zwischen Stern, Wellenlinie, Kreuz, Kreis und Quadrat. Je nachdem an welcher Stelle ein Symbol gezeigt wird und wie man es farblich betont, könne man die Entscheidung sogar noch beeinflussen. Das würden die Versuchspersonen als "paranormal" empfinden, argumentiert er. Dabei ist genau das der Knackpunkt. Soll man verdeckte, zufällig ausgewählte Karten "erraten", muss die Versuchsperson von diesem Schema abgehen. Tut sie das nicht, werden ihre Ergebnisse höchstens dem Zufall entsprechen. Das Ziel ist jedoch eine Trefferanzahl, die deutlich über der Zufälligkeit liegt. DANN handelt es sich um ein paranormales Phänomen.

Was er beschreibt ist eben keine parapsychologische Forschung, sondern eine psychologische. Für mich bestätigt der Autor meine Theorie, der Name "Parapsychologie" sei an sich schlecht gewählt, weil unterstellt wird, es handele sich um psychische Phänomene. Das ist es aber nicht. Aufgrund des Namen fühlen sich vor allem Psychologen und Soziologen berufen, sich mit Parapsychologie zu beschäftigen. Die sind hier fehl am Platz.

Er widerspricht den Gehirnforschern die glauben, alles sei determiniert und es gäbe keinen freien Willen. Eine sehr alte Frage, welche schon auf religiöser Ebene immer wieder diskutiert worden ist. Dabei unterstützt gerade diese Theorie die Annahme, es gäbe paranormale Phänomene. Was die Präkognition betrifft, ließe sie sich damit erklären, dass man para - also neben den uns bekannten Sinnen - noch einen weiteren hat. Nämlich den, viele Informationen zu besitzen, oder zu ihnen Zugang zu haben, die sozusagen ein Errechnen der Zukunft ermöglichen. Gehen wir von einer mathematisch geregelten Welt aus, muss man diese Möglichkeit berücksichtigen. Wer alle Informationen besitzt, kann alle Zukunft errechnen. Wir versuchen ja auch den Zufall zu berechnen. Sobald ich einen Stein werfe kann ich (theoretisch) genau berechnen wo er aufschlagen wird. Ich könnte seinen Weg auch für einen anderen Zeitpunkt  berechnen. Aber nur wenn mir alle Informationen zugänglich sind.

Parapsychologie ist kein einheitliches Gebiet. Es ist ein Sammelsurium verschiedener Phänomene, bzw. von Ereignissen, die man mit heute existierenden, technischen Geräten noch nicht erfassen kann. Aber man kann davon ausgehen, dass es in der Natur nichts "Unnatürliches" geben kann. Alles ist Natur und alles unterliegt denselben physikalischen Gesetzen. Wie die Astronomie zeigt, ist die menschliche Wissenschaft nicht so perfekt, was ihre Erklärungen des Weltalls betrifft, wie sie gerne glauben machen möchte. Die irdische Physik ist es auch nicht. Zweifellos gibt es paranormale Phänomene und mit Sicherheit wird die Physik das auch irgendwann beweisen. Die Psychologie aber kann nur psychische Phänomene erklären, die es natürlich auch gibt. Paranormale Phänomene gehören definitiv nicht dazu.

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