Sonntag, 24. Dezember 2017

Sigdell und seine Methode der Rückführung in frühere Leben. Er hält es nicht für Hypnose - ich aber schon.

Sigdells Rückführungen finden nicht unter Hypnose statt. Behauptet jedenfalls er - und auch alle anderen die nach seiner Methode arbeiten.

Im Prinzip glaubt er an Karma, also an Gerechtigkeit. Was man anderen antut, erlebt man im nächsten Leben an sich selbst. Nicht als Strafe, sondern um zu lernen. Was wäre dann die logische Umkehr? Die gibt es nicht, denn wenn man alles richtig gemacht hat, braucht man nicht mehr lernen. Dann wird man nicht mehr wieder geboren. Also glaubt er im Grunde genommen nur an Strafe, auch wenn er es anders nennt. Die Belohnung besteht darin, in den Himmel zu kommen. Das passiert aber erst dann, wenn man wirklich alle Aufgaben gelöst hat. Was im realen Leben niemals passieren wird. Zumindest nicht so lange man Mensch ist. Belohnung gibt es also erst in ferner Zukunft und nicht im nächsten Leben. Zumindest habe ich das so verstanden.

Nur ist das Leben, die Natur, nicht so. Unsere Werte sind ihr egal. Sigdell geht von seinem christlichen Glauben aus. Das Christentum ist eine masochistische Religion von der Theorie her. Die Praxis entsprach dieser aber selten. Oft war sie sogar äußerst sadistisch und unduldsam. Weil diese Theorie auf tönernen Füßen steht. Man kann nicht über-leben, ohne auch "schlechte/böse" Gedanken zu haben.

Besteht die Grundlage der eigenen Weltsicht in dem tiefen Glauben man müsse masochistisch denken, seine Feinde lieben, jedem verzeihen, dürfe sich nicht wehren, usw., dann wird in einer Hypnose, auch wenn sie nur oberflächlich ist, dieser Gedanke zum Tragen kommen. Glaubt man sich in einem anderen Leben wieder-zu-befinden, wird man (sollte es sich um keine echte Erinnerung handeln) alles was es an pychischen, oder physischen Problemen im derzeitigen Leben gibt, auf Verfehlungen im früheren Leben zurück führen. Egal ob es so war oder nicht, kehrt man also da Prinzip Lohn/Strafe um und denkt etwa: Heute bin ich arm, also war ich früher reich und geizig den Armen gegenüber. Meine derzeitige Armut ist meine Strafe.

Die meisten Menschen, die in unserem Kulturkreis leben, teilen die Vorstellung von Gerechtigkeit, die dem Christentum zugrunde liegt. Menschen die Rückführungen machen wollen, sind keine Materialisten, denn sonst würden sie nicht an frühere Leben glauben. Viele sind der Esoterik gegenüber aufgeschlossen und damit auch dem christlichen Gedankengut. Auch wenn sie das gar nicht wissen. Gehen sie dann noch dazu zu einem christlichen Therapeuten - er ist ja sehr bekannt und wer zu ihm geht weiß was er denkt, kann man davon ausgehen, dass sie seine Meinung teilen. Es werden daher fast 100% aller seiner Klienten überzeugt sein, dass bei einem Fehlverhalten die Strafe auf dem Fuße folgt. Was ihn wiederum in seiner Meinung bestärkt. Schließlich erfüllen sie seine Erwartungen. Je mehr ihm durch ihre angeblichen Erinnerungen zustimmen, desto unkritischer wird er werden.
 
Sigdell meint: ..."da ja schöne Erlebnisse keine Probleme verursachen.".
http://www.christliche-reinkarnation.com/German/DieAndRealitat1.htm
Stimmt das? Für meinen Hund ist es ein schönes Erlebnis ein Tier zu jagen und zu töten. Er ist sehr oft frustiert, weil er dazu keine Möglichkeit hat. Umgekehrt ist es für mich frustrierend wenn er jagt, weil ich nicht will, dass er ein Tier tötet. Wie man etwas erlebt, kommt immer auf den jeweiligen Standpunkt an. Es gibt auch viele Menschen die emotional auf der Stufe eines Hundes stehen. Sie töten aus reiner Mordlust, weil sie sind, wie sie sind. In ihrem nächsten Leben könnte das aber trotzdem ein Problem für sie sein, weil sie beispielsweise in einer Umwelt aufwachsen, wo es abgelehnt wird aus reiner Mordlust zu töten. Daraus könnten auch innere Konflikte entstehen. In Folge dessen  lehnt man entweder das eigene, frühere Leben ab, weil man sich selbst verabscheut, oder aber man lehnt die neue Umgebung und ihre Normen ab. 

Für Sigdell ist es logisch, dass die Wiedergeburten damit abschließen, dass man die wahre Liebe lebt und keine Seele mehr da ist, mit der man sich versöhnen müsste. Das sind rein christliche Gedanken, welche typischer weise die Tiere vom Reinkarnationsgedanken ausschließen. Warum eigentlich? Ist es nicht total absurd anzunehmen, ab einer bestimmten Stufe der Entwicklung zum Menschen würde plötzlich die Wiedergeburt einsetzen? Was man anderen Lebewesen antut ist deshalb nicht "böse"?

Auf der Webseite http://www.wir-seelenwanderer.de/index.php/angebot/nicht-hypnotische-rueckfuehrung wird all das erklärt, was Sigdell als Wahrheit vorgibt. Fast alle Klienten werden es auch für Wahrheit halten, obwohl es keineswegs wissenschaftlich untersucht wurde. Eine reine Glaubenssache also. Vielleicht ist es so, vielleicht auch nicht. 

Im Interview mit Sigdell wird vom Interviewer ein Fall berichtet. Eine Frau machte eine Rückführung bei einem Mann, der ein Medium dabei hatte. Rückgeführt wurde dann das Medium und nicht die Frau selbst. Das Medium erzählte dann ein Erlebtnis, welches die Klientin in einem früheren Leben angeblich gehabt habe. Alleine davon wurde die Klientin gesund. Sie habe Asthma gehabt. 

Ich kenne eine Studie da wurde gesunden Menschen Asthma antrainiert. Manche bekamen es gar nicht mehr weg. Es ist also möglich Asthma zu haben, ohne krank zu sein. da hilft dann ein Placebo. In diesem Fall eine Suggestion. Aber vom Anhören einer Geschichte von einer ernsten Erkrankheit geheilt zu werden, ist nicht möglich. Die Behauptung das wäre möglich, verweise ich ins Reich der Fantasie. 

Sigdell wundert sich zwar, spricht aber nicht prinzipiell dagegen. Dadurch macht er einen eher unkritischen Eindruck. 

Auf der Webseite http://www.wir-seelenwanderer.de/index.php/angebot/nicht-hypnotische-rueckfuehrung findet man auch eine Beschreibung wie der Ablauf einer Rückführung vor sich geht. Angeblich handelt es sich - wie bereits erwähnt - um keine Hypnose und es werde auch keine Suggestionen geben, verspricht man den Interessierten. 

Ich denke es ist durchaus eine Hypnose, nur nicht sehr tief. "Die nicht-hypnotische Rückführung geschieht in einem Ruhe-Wachzustand (sogenannter Alphawellen-Zustand), indem ich Sie gezielt darin anleite, an Ihrem Körper selbst sog. „Schalter“ auszuschalten, was Ihnen dadurch ermöglicht, sich auf Ihre Unterbewusstseinsebene zu begeben." Ob es sich um einen "Alphawellen-Zustand" handelt, lässt sich nicht bestimmen, wenn man kein EEG dabei hat. Weiter heißt es: "Es findet keine Suggestion (seelische Beeinflussung) statt, ich stelle Ihnen lediglich zielorientierte Fragen.
So führe ich Sie mit Hilfe Ihres „inneren Helfers“ (er ist ein inneres sichtbares Bild Ihres eigenen unbewussten Ichs) in eines oder mehrere frühere problemrelevante Lebenssituationen zurück und verschaffe mir durch zielgerichtete Befragung einen Überblick über die möglichen Zusammenhänge, bis wir Ihr Urtrauma aufgespürt haben."

Das ist bereits eine Suggestion. Vielleicht gibt es gar keinen "inneren Helfer" und vielleicht gibt es auch keine früheren Leben. Aufgrund dieser Suggestion wird der Klient in seiner Meinung gestärkt, er würde nun in ein früheres Leben reisen, sofern er den Anweisungen der Therapeutin folgt. Würde sie ihm suggerieren er würde auf einen anderen Planeten reisen, in die Hölle, oder in die Zukunft, um sein Urtrauma zu finden, wird er genau dort die passenden Erlebnisse haben.

Alleine wenn jemand diesen Text nur liest und anfällig für Suggestionen ist, wird er darauf mit Glauben reagieren. Je öfter er auf diese Behauptung irgendwo in Büchern, oder im Internet stößt, wird sich sein Glaube festigen. Bei der Werbung geschieht im Prinzip dasselbe. Auch das ist Suggestion, die umso stärker wirkt, je öfter man sie sieht.

Er wird annehmen es gäbe einen solchen Helfer, den er auch (innerlich) sehen kann. Sieht er ihn während der Rückführung tatsächlich, ist das ein Beweis für eine Hypnose. Suggestion bedeutet ja nicht, jemandem etwas während er in einem besonders hilflosen Zustand ist, mit Worten aufzuzwingen. Die Suggestion besteht in  unserem Fall darin, den Klienten daran zu hindern, sich in einen solchen zu begeben. Sein womöglich vorhandener Widerstand gegen eine Hypnose wird gebrochen, indem man ihm suggeriert - also einredet - man würde ihn ja gar nicht hypnotisieren wollen und es auch ganz sicher nicht tun.

Weil der Therapeut, in diesem Fall die Therapeutin, selbst an diese Suggestion glaubt, wirkt sie besonders überzeugend. Sie ist im Prinzip selbst Opfer eines posthypnotischen Befehls, den sie vor und während einer Rückführung der eigenen Person, von jemandem erhalten hat.

Vor vielen Jahren habe ich selbst einmal eine Rückführung gemacht. Sie scheint ungefähr nach diesem Schema abgelaufen zu sein. Vieles von dem was ich auf dieser Webseite lese, hat meine Therapeutin mir auch erzählt. Dass es sich dabei sehr wohl um eine echte Hypnose handelte, weiß ich mit Bestimmtheit.

Vor Beginn der Sitzung bat ich sie um einen posthypnotischen Befehl. Ich wollte das unbedingt ausprobieren. Das tat sie auch. Ob ihr selbst klar war, dass sie mich hypnotisierte, weiß ich allerdings nicht. Sie sagte, ich würde mich später plötzlich an meinen Namen erinnern, den ich in meinem früheren Leben hatte. Das geschah auch wirklich, als ich zu Hause war und meine Erinnerung an die Rückführung nieder schreiben wollte. Plötzlich wollte meine Hand etwas anderes schreiben, als ich bewusst schreiben wollte. Ich wusste aber gar nicht was die Hand schreiben wollte. Es war gespenstisch. Als habe eine fremde Macht von meiner Hand Besitz ergriffen. An den posthypnotischen Befehl dachte ich leider in diesem Moment nicht. Es kostete mich große Mühe, meine Hand wieder in meine Gewalt zu bringen. Erst nachträglich wurde mir bewusst, dass ich mich offenbar geweigert hatte, den posthypnotischen Befehl auszuführen - aus reiner Panik. Ich hatte eine total andere Vorstellung davon, wie meine plötzliche Erinnerung sich äußern würde. Als würde mir plötzlich "ein Licht aufgehen" und ich würde einfach so wissen, wie ich geheißen hatte. Doch das war eben nicht der Fall.

Hätte meine Rückführung nicht in Hypnose stattgefunden, hätte der posthypnotische Befehl nicht wirken können.

Da ich während der Rückführung nur ganz kurz etwas zu erleben glaubte (ich sah nichts, weder einen geistigen Führer, noch Szenen aus einem früheren Leben - es war eher ein Gefühl) und ich mich zwar als Persönlichkeit veränderte, aber keinerlei weitere Erinnerungen hatte, blieb es dabei. Es war nichts da, über das man hätte sprechen können. Das unterscheidet meine Rückführung durch meine Therapeutin, von denen die Herr Sigdell entwickelt hat. Sie dauerte auch nicht lange.

Jetzt wo ich mich wieder damit befasse wird mir auch klar, weshalb ich nicht in eine tiefere Hypnose verfallen bin.

Schon als Kind wollte ich mich hypnotisieren lassen. Mich faszinierte diese Idee. Mein Wunsch nach einer Hypnosesitzung war sicher größer als mein Wunsch, in ein früheres Leben rückgeführt zu werden. Das mag wie ein Widerspruch klingen, lässt sich aber erklären. Im Wachzustand sehe ich keine Bilder im Kopf. Nie. Viele andere Menschen aber schon. Deshalb können sie nicht so leicht unterscheiden, ob sie in Hypnose sind, oder nicht. Ich hingegen kann das sehr gut unterscheiden. Sobald ich etwas innerlich sehe, bin ich nicht mehr im Wachzustand. Ich träume. Nun wurde mir suggeriert, es handele sich auf keinen Fall um eine tiefe Hypnose. Genau erinnere ich mich nicht mehr, doch ich glaube sie sprach schon von Hypnose, aber von einem Zustand in dem ich alles weiß und weiter frei entscheiden kann was ich tue. Vermutlich hat mich gerade dieser Hinweis abgehalten, in einen tieferen Trancezustand einzutauchen. Sobald ich merkte, Bilder wollten hoch steigen, habe ich abgeblockt. Die psychische Veränderung habe ich gerade noch zugelassen, das Gefühl auf hartem Lager zu liegen auch. Eine Jahreszahl, ein Gedanke - und schon war es vorbei. Hätte ich Bilder gesehen, wäre es keine leichte Hypnose mehr gewesen und ich hätte auch nicht mehr frei entscheiden können. Konnte ich auch gar nicht mehr, denke ich. Mein Abblocken war aus meiner Sicht also im Sinne der Therapeutin. Da sie ja auch nicht immer wissen kann, wie tief die Hypnose gerade ist, habe ich ihren Wunsch überwacht und erfüllt, indem ich mich gegen das Tiefersinken wehrte.

Menschen die immer Bilder im Kopf sehen, wehren sich nicht gegen ihr Auftreten. Das ist für sie normal. Mein Onkel erzählte mir, er würde ganze Filme sehen, mit sich selbst als Hauptdarsteller. Wie in einem Traum, nur bewusster. Wahrscheinlich können das viele Menschen. Vielleicht nicht so gut wie er, aber doch irgendwie. Sie schlittern geradezu in eine tiefere Hypnose, ohne es zu merken.

Nun stellt sich die Frage: Geraten sie nur in einen traumartigen Zustand, oder ist es doch eine echte Erinnerung? Kann man in der Hypnose die Grenzen der Erinnerung überwinden, oder träumt man das nur?

Aufgrund meiner Traumstudie weiß ich, dass theoretisch jeder Mensch Zugang zu jeder Information hat. Zumindest wenn er träumt. Man kann sich jedoch meistens nicht aussuchen wovon man träumt. Deshalb vermischen sich die verschiedensten Informationen miteinander und bauen daraus eine Traumhandlung. Wir identifizieren uns mit fremden Menschen, die es vermutlich auch im realen Leben gibt. Ohne sie jemals gekannt zu haben. Es spielt auch keine Rolle ob es sich dabei um Vergangenheit, Gegenwart, oder Zukunft handelt. Theoretisch wäre es möglich, von einem Menschen der einmal gelebt hat zu träumen, ohne dieser Mensch gewesen zu sein. Es sind ja auch immer nur Bruchstücke, die bei diesen Rückführungen an die Oberfläche dringen.

Wie ich bei meinen letzten Recherchen festgestellt habe, sind viele angebliche Erinnerungen falsch. Manche sind auch insofern richtig, als es Personen gab, auf die sie passen. Trotzdem könnten angebliche Erinnerungen Hellsehen sein und es geht eigentlich um fremde Menschen.

Bisher habe ich leider noch keinen konkreten Text der jeweiligen Suggestionen die verwendet werden, im Internet gefunden. Es könnte sein, dass manche Menschen aufgrund falscher Suggestionen sich auch "falsch erinnern". Wenn dem Klienten suggeriert wird, in ein früheres Leben zu gehen, wird er das tun. Gibt es aber keine echte Erinnerung an ein früheres Leben, wird er entweder eines erfinden, oder auf paranormale Informationen zugreifen und irgendeine Person die tatsächlich gelebt hat, beschreiben. Er wird sich mit dieser Person dann auch identifizieren, wenn sie gut zu seinen Vorstellungen passt.

Wenn man mittels Hypnose eine eventuelle Blockade umgehen möchte, muss man sich genau überlegen was man suggeriert. Dem Klienten muss unbedingt die Wahl gelassen werden. Er muss auch zugeben dürfen, sich nicht zu erinnern. Man muss ihn sogar dazu auffordern zu sagen, ob es eine Erinnerung gibt. Das geschieht meiner Meinung nach bei der Methode des Herrn Sigdell nicht.

Je mehr Suggestionen es während einer Rückführung gibt, desto kritischer sollte man den Ergebnissen gegenüber sein.