Sonntag, 8. Oktober 2017

Ist die Jesus-Geschichte mit dem Purpurmantel in Wahrheit die Geschichte eines alten babylonischen Ritus?

Einmal im Jahr behandelten die Sakäen einen Verbrecher drei Tage lang wie einen König. Sie ehrten ihn, zogen ihm königliche Kleider an, um ihn danach zu hängen, oder zu kreuzigen. Eine seltsame Parallele zur angeblichen Kreuzigung von Jesus.



Ist die Verhöhnung des Jesus also tatsächlich nur ein alter Ritus, an den man sich vage erinnerte und nachträglich in die Evangelien einbaute?

Diese Idee passt vielen nicht. Man argumentiert in eine ganz andere Richtung um sie zu widerlegen. Etwa indem man behauptet, es sei ganz normal gewesen, dass Jesus verspottet wurde, denn das hielten die Römer einfach so. Verurteilte Verbrecher wurden bei ihnen verhöhnt und gequält. Doch kann man dieses Argument wirklich einfach so als Beweis gelten lassen?

Bedeutungen verschieben sich. Sie ändern sich dann, wenn eine Geschichte so alt ist, dass man ihren Sinn nicht mehr begreift. Würde man einem alten Römer erzählen, man habe einen Verbrecher wie einen König behandelt - was würde er sich dabei denken? Er würde meinen, das müsse und könne nur eine Verhöhnung sein. Weil der Römer in seiner Welt etwas ähnliches nicht erlebt hat. Es ist also logisch, wenn sich die Geschichte in diesem Sinn verändert, sobald sie in einer neuen Umgebung auftaucht.

Warum sollten römische Soldaten einem zum Tode verurteilten Verbrecher einen Purpurmantel anziehen? Ein einfacher römischer Soldat hätte sich diese Kleidung gar nicht leisten können. Sie war der Oberschicht vorbehalten. Es gab zwar billige Imitate, aber darüber hätte die Bibel sicher berichtet, wäre so ein Stück verwendet worden. Wahrscheinlich wäre aber auch das den Soldaten zu teuer gewesen um es zu verschmutzen. Beim Waschen ging von den Imitaten die Farbe heraus. Sie hätten den Mantel nach Gebrauch gründlich waschen müssen. Warum sollten sie Geld opfern, um einen Verurteilten zu demütigen? Diese Idee ist total absurd.

Frazer wird vermutlich Recht gehabt haben wenn er meint, hier einen alten Ritus entdeckt zu haben.