Sonntag, 3. September 2017

Exorzismus


In Italien gibt es rund 300 von Bischöfen beauftragte Teufelsaustreiber. Indes dementierte der Vatikan einen angeblich von Papst Benedikt auf dem Petersplatz vorgenommenen Exorzismus.

Die Warteliste bei den Exorzisten sei lang, heißt es in dem Beitrag des Magazins. 65 Prozent der Hilfesuchenden seien Frauen, mehrheitlich aus dem Süden und der Mitte des Landes. Deutlich gestiegen sei auch die Zahl der Personen mit Hochschulabschluss, die sich an einen kirchlichen Teufelsaustreiber wendeten. In vielen Fällen ziehe sich eine Befreiung von Dämonen über Jahre hin.



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Lombardi sagte am Donnerstag, der Papst habe nicht gewusst, dass die Männer an jenem Tag auf dem Petersplatz gewesen seien. Selbst wenn die Tatsachen wahr wären, sei es nicht richtig, über Geisteraustreibungen des Papstes zu sprechen. "Es gibt keine Verbindung, und der Papst hatte nicht die Intention, Exorzismus zu praktizieren", so Lombardi. Auch dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. war nachgesagt worden, 1982 sowie im Jahr 2000 Geisteraustreibungen praktiziert zu haben.

http://www.krone.at/italiener-suchen-vermehrt-hilfe-bei-exorzisten-500000-pro-jahr-story-310508



Kaum zu glauben, wir leben tatsächlich im Altertum. Man glaubt nicht nur an Dämonen und böse Geister, sondern man glaubt auch, diese mit einfachen Mitteln, wie mit einem Gebet, austreiben zu können. Wären diese Dämonen - so sie tatsächlich exisierten - wirklich so mächtig, könnte man sie wohl kaum mit Gebeten, Weihwasser, oder Weihrauch "austreiben". Das ist eine krasse Selbstüberschätzung.

Wikipedia schreibt über die Geschichte des Exorzismus:

Im Alten Orient, im Judentum, im Hellenismus und im Islam gab es Exorzisten.

In Mesopotamien waren mašmāšu- oder ašīpu-Priester für die Austreibung böser Geister, die Krankheiten verursachten, und für Reinigungsrituale zuständig. Sie waren oft in Tempeln angestellt[1]. Exorzisten konnten auch in Gerichtsverfahren eingesetzt werden, wenn sich Zeugen durch Zauber bedroht fühlten[2]. Das Haus des Exorzisten (713-612 v. Chr.) in Aššur[3] enthielt über 800 Keilschrifttafeln, darunter zahlreiche Texte, die zu diesem Zweck verwendet wurden, zum Beispiel die Serie "Wenn der Exorzist zu dem Haus eines kranken Menschen geht" und die Uruk-Prophezeiung[4]. Die Bibliothek des Assurbanipal in Niniveh enthielt ebenfalls zahlreiche exorzistische Texte[5]. Aus Assur sind namentlich die mašmāšu-Priester Anu-ikṣur, Sohn des Šamaš-iddin und Iqiša, Sohn des Ištar-šum-ereš bekannt[6]. Anu ist der Schutzgott der Exorzisten, einer seiner Beinamen ist "mupaššir nambûrbe idāti itāti limnēti šunāte pardāte la ṭādâte", "Er, der den Exorzistismen Macht verleiht um mit dem pašāru Ereignisse mit schlechter Vorbedeutung und die Auswirkungen verwirrter und gottloser Träume zu verhindern" (King BMS 62 + 1. 12)[7]. Auch Asalluḫi ist mit Exorzismen verbunden.





Auf der altägyptischen Bentresch-Stele ist ein Exorzismus dargestellt.[8]

In hellenistischer Zeit zogen Magier wie Apollonios von Tyana als Exorzisten durchs Land.

Schamanistische Exorzismen sind ebenfalls gegen schädliche Geister und Dämonen gerichtet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Exorzismus

Der Glaube an böse Mächte die von Menschen, oder von Tieren Besitz ergreifen, ist also schon sehr alt. Vermutlich schon viel älter als die alten Hochkulturen. Psychologisch erklären lässt sich diese Vorstellung leicht. Geisteskrankheiten gab es schon immer, ebenso unerklärliches Verhalten. Ältere Völker konnten sich derartige Krankheiten wohl nicht erklären. Alles Ungewohnte macht Menschen Angst. So wie viele Menschen Scheu vor menschlichen Leichen haben, oder vor den Seelen der Toten, macht ihnen eine plötzliche, psychische Veränderung eines Menschen, oder eines Tieres Angst. Andererseits sind Menschen manchmal zu logischem Denken fähig. Darin unterscheiden sie sich nur unwesentlich von meinem Hund. Der kann das auch. Genau das ist eben der Punkt. Wer logisch denken will, sollte nur über richtige Informationen verfügen, denn sonst muss er sich irren. Viele Menschen haben leider zu wenige gute Informationen, um mit logischem Denken gute Erfolge zu verzeichnen - genauso wie mein Hund. 

Ein kleines, erklärendes Beispiel: Im Mittelalter gab es einen Mann, der seine schmutzigen Schuhe an einer Hauswand abstreifte. Am nächsten Tag gab es dort die Pest. Man stellte einen "logischen" Zusammenhang zwischen seiner Handlung und dem Ausbruch der Pest her und glaubte deshalb, er habe die Krankheit verursacht. Andere auffällige Ereignisse, die vielleicht mit dem Ausbruch dieser Krankheit in Verbindung gebracht werden konnten, gab es nicht. Er wurde wegen Zauberei verurteilt und verbrannt.

Die Menschen wussten nichts über Krankheitserreger, aber sie beobachteten, dass es eine Übertragung gab. Auf welchem Weg sie vor sich ging, erkannten sie aber nicht. Sie erklärten es sich dahin gehend, dass die Übertragung unsichtbar sein müsse. Die winzig kleinen Lebewesen, etwa Bakterien, oder Viren, konnten sie nicht sehen und daher auch nicht einordnen. Sie dachten deshalb an Zauberei, Dämonen, oder an böse Geister. Also an unbekannte Lebensformen, die einen eigenen Willen und eine Persönlichkeit haben. Im Prinzip hatten sie durchaus Recht, wenn sie an unbekannte "Mächte" dachten. Nur lassen sich diese Mächte nicht mit Gebeten vertreiben, sondern mt Antibiotika, oder anderen medizinischen Mitteln. Wir sollten heute eigentlich klüger sein.

Besessenheit ist aber insofern ein besonderes Phänomen, als oft die Betroffenen selbst sich für besessen halten. Kein Wunder, teilen doch die Menschen einer Gesellschaft fast immer bestimmte Vorstellungen. Im Gegensatz zu den Hexen, die leugneten, solche zu sein, waren angeblich von Dämonen Besessene, meistens selbst der Meinung, einen Dämon in sich zu tragen.

Exorzismus wird nach römisch-katholischer Lesart nach einem bestimmten Schema gegliedert:

Bedrohung
Namenserfragung des Dämons
Ausfahrwort (Gebet)
Rückkehrverbot (Gebet)

Dämonen sind also teuflische Gesellen, welche den Menschen dem lieben Gott ausspannen wollen. Deshalb ist auch die Taufe ein Exorzismus.

Exorzismus gibt es aber nicht nur in der katholischen Kirche.

"Die orthodoxe Kirche hat eine eigene Tradition des Exorzismus. Aufsehen erregte der Fall der 23-jährigen Nonne Maricica Cornici, die im Juni 2005 im rumänischen Kloster Tanacu im Rahmen eines exorzistischen Rituals an ein Kreuz gebunden wurde und an den Folgen starb.

In einigen wenigen evangelisch-lutherischen Kirchen wird weiterhin der sogenannte „Kleine Exorzismus” oder „Große Exorzismus” vor der Taufe gebraucht (vgl. Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, dort: Anhänge zum Kleinen Katechismus: Taufbüchlein).

Die meisten älteren protestantischen Kirchen indes üben Exorzismus nicht oder nicht mehr aus. Wegen der fortschreitenden Erforschung von Geisteskrankheiten steht der Vollzug des Großen Exorzismus in den Großkirchen Europas eher am Rande. Anders in Afrika, wo die charismatische Bewegung Massenerweckungen auslöst, die mit weithin beachteten exorzistischen Heilungen einhergehen.

In der charismatischen Bewegung und in den Pfingstkirchen gibt es den sogenannten Befreiungsdienst, bei dem es auch um das Vertreiben von Dämonen geht, allerdings handelt es sich in vielen Fällen um relativ unspektakuläre Ursachen, hinter denen ein dämonischer Einfluss vermutet wird (Rauchen, Pornografie, Horoskope lesen), und das Verfahren besteht üblicherweise aus einem kurzen Gebet mit Handauflegen. Einzelne pfingstkirchliche Theologen leiten aus gewissen Bibelstellen auch die Existenz sogenannter „Territorialmächte” ab, die angeblich ihren Einfluss auf ein Haus, einen Ortsteil oder eine ganze Stadt geltend machen können, und praktizieren bzw. empfehlen eine Art „Freibeten” solcher Plätze oder Räume. (Sie folgen damit in einer gewissen Konsequenz einer Definition des Bösen, die auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo zurück geht: Demzufolge ist das Böse überall dort, wo Gott und damit das personifizierte Gute gerade nicht ist, und dem versuchen sie abzuhelfen.) Eine Art Exorzismus also, die sich auf Sachen und Räume bezieht."


http://de.wikipedia.org/wiki/Exorzismus

Es wird argumentiert, man unterscheide durchaus zwischen Geisteskrankheit und Besessenheit. Das scheint nur zum Teil richtig zu sein. In gewisser Weise mag es stimmen, denn es scheint sich dabei weniger um eine Krankheit zu handeln, als mehr um unerwünschtes Verhalten. Menschen die schimpfend und fluchend durch die Gegend gehen, Menschen die rauchen, oder Pornos ansehen, also auch Menschen die sich nicht an die vorgeschriebenen Prüderien halten, werden schon als "besessen" betrachtet. Man könnte mutmaßen, dass die Besessenen oft die eigentlich Gesunden sind und die Exorzisten die Kranken.

Judentum, Christentum und Islam sind Religionen die Menschen dazu zwingen, ihre sexuellen Wünsche total zu unterdrücken. Alles muss kontrolliert werden. Man darf dies nicht und das nicht. Wer sich an diese angeblich von Gott geschaffenen Gesetze nicht hält, gilt als ein Gefolgsmann des Teufels. Man versucht ihn auszurotten, oder wenigstens zu bestrafen. Die Hexen wurden nicht verbrannt um sie zu bestrafen, sondern um deren Seelen zu retten. Es geht angeblich dabei immer um das Seelenheil derer, die die "göttlichen" Gesetze brechen. Egal ob sie das freiwillig tun, wie die angeblichen Hexen, oder ob sie von einem Dämon gezwungen werden. Deshalb foltert man sie, deshalb tötet man sie. Jeder Mensch der in einer solchen Gemeinschaft aufwächst wird nicht erzogen, sondern einer permanenten Gehirnwäsche unterzogen.

Sexualität an sich wird als etwas Böses empfunden.
Freie Sexualität wird als etwas Böses empfunden.

Das variiert, je nach Sekte.

Männer erleben deshalb die Frau als Bedrohung ihrer religiösen Pflicht, denn sie dürfen nicht den "Reizen der Frau erliegen". Der Vergewaltiger sieht die Schuld deshalb auch nicht bei sich, sondern bei der Frau. Sie "bezirzt" ihn, sie verlockt ihn, sie übt sexuelle Macht über ihn aus - und er kann nicht anders. Somit ist für ihn der Fall erledigt. Die Frau wird für ihre Sünde bestraft. Sie muss ihn verhext haben, denn er folgt seinen sexuellen Bedürfnissen ungehemmt. Er ist hingegen das arme Opfer. Oder er gibt bösen Dämonen die Schuld an seinen Gedanken. Je nachdem.

65% von Dämonen Besessene, liest man, seien Frauen.


Ein Fall in Bayern:

http://www.youtube.com/watch?v=pDXdmGby5x8

Herr Pfarrer Christian Sieberer erklärt was die katholische Kirche zu diesem Thema zu sagen hat:

http://www.exorzismus.net/exorzismus.htm

"Anzeichen" für Besessenheit können nach dem neuen Dokument das Sprechen fremder Sprachen, eine unnatürliche körperliche Kraft, oder eine irrationale Aversion gegen Gott sein.

"Das Sprechen fremder Sprachen" ist wohl kaum ein beängstigendes Zeichen. :)

Was ist nun eine "irrationale" Aversion gegen Gott?

Eine solche Aversion kann nur jemand haben, der an einen Gott glaubt. Wenn nun nur jemand eine solche Aversion aufbringt, der Teil einer religiösen Glaubensgruppe ist, bedeutet das vor allem, dass er sich innerlich gegen diesen Glauben wehrt, während er andererseits doch noch an "Gott" glaubt. Was die anderen nicht verstehen können. Schließlich haben sie gelernt: An Gott darf man nicht zweifeln. Tut man es doch, obwohl man es gar nicht will, muss wohl eine geheimnisvolle Kraft dahinter stecken. Man selbst trägt daran keine Schuld. Durch den Exorzismus erhoffen sich die Betroffenen, ihren Seelenfrieden wieder zurück zu gewinnen, den sie verloren haben. Sie wollen, oder können sich nicht selbst mit ihren Zweifeln auseinandersetzen und überlassen es deshalb einem anderen - dem Pfarrer. Wäre da wirklich eine gefährliche, fremde, jenseitige Macht, würde diese sich wohl kaum von einem Menschen "bannen" lassen.

Auf der Seite
http://www.theologe.de/theologe9.htm

findet man die Geschichte der Anneliese Michel.

Als Jugendliche besucht Anneliese, die gerne Klavier spielt, das musische Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium in der Grünewaldstraße im nahe gelegenen Aschaffenburg. Dort gilt sie als hochintelligent, fällt aber bereits durch nervliche Probleme auf, wie sich manche ihrer früheren Lehrer erinnern. Ihr Elternhaus gilt dabei als sehr streng. “Öfter einmal fanden die Schwestern Anneliese weinend in ihrem Zimmer, weil die Mutter schon wieder verboten hatte, dass sie zum Tanzen gehe. ´Die anderen dürfen das alle`, schluchzte sie. ´Ich bin doch kein Kind mehr.`” Doch Annelieses Mutter hat Angst um ihre Tochter. “Ihre Töchter sollten unberührt in die Ehe gehen. Unberührt wie die Jungfrau Maria” (Goodman, S. 35). Und anders als sie, die Mutter, die ja bei ihrer kirchlichen Trauung für ihre vorehelichen sexuellen Erfahrungen von der Kirche mit einem schwarzen Schleier “abgestraft” wurde... Anneliese Michel scheut den Konflikt mit dem Elternhaus, bleibt anfangs jedoch noch einigermaßen souverän und hat einen ersten heimlichen Freund. Gleichzeitig vertieft sie sich jedoch weiter in den römisch-katholischen Glauben. So ist auch – anders als bei den meisten ihrer Altersgenossinnen – ihre Bindung an die Kirche besonders stark. Sie geht mehrmals wöchentlich zur Messe, betet regelmäßig Rosenkränze und versucht noch mehr als das zu tun, was die Kirche von ihren Gläubigen verlangt. So schläft sie z. B. zur “Sühne” für Rauschgiftsüchtige, die sie am Aschaffenburger Hauptbahnhof beobachtet hat, manchmal auf dem Fußboden, selbst im Winter. Doch ist ihr Glaube für sie selbst auch wie eine Droge, von dem die Jugendliche mit der Zeit vollkommen abhängig wird, mit dem sie aber offenbar alles andere als im Reinen ist. Und hier liegen auch die Wurzeln für das weitere Geschehen: Bald gleiten dem Mädchen auch die Zügel seines eigenen Lebens mehr und mehr aus der Hand. Im Jahr 1968 beißt sie sich z. B. bei einem Krampfanfall in die eigene Zunge. Ein Neurologe diagnostiziert eine Epilepsie vom Typ Grand Mal (also einen schweren epileptischen Anfall), wogegen sie erstmals anti-epileptische Mittel erhält. Doch diese helfen nicht gegen eine religiöse Gedanken- und Bilderwelt, die sich immer mächtiger in ihr aufbaut und die Anneliese Michel immer weniger kontrollieren kann. So erscheinen ihr beim Gebet z. B. katholische “Heilige” oder “Dämonen”, die sie schließlich bis kurz vor ihrem Tod quälen und verfolgen. Auch hört sie Stimmen, die ihr vorhersagen, sie werde in der ewigen Verdammnis landen, in der nach römisch-katholischer Lehre z. B. alle Menschen enden, welche wesentliche Glaubenslehren der katholischen Kirche nicht befürworten oder auch nur “beharrlich” daran zweifeln"

Eindeutig geht es hier um Moral und um Sex, um ein Mädchen, das in eine Rolle gezwungen wurde die niemand ertragen kann ohne Schaden zu nehmen. Der "Dämon" spricht später aus, was sie sich nicht zu sagen traut. Das Mädchen lebt in einem kranken Umfeld und der "Dämon" wehrt sich dagegen. Er ist die personifizierte Auflehnung gegen die Macht einer psychisch kranken Familie. 


Besessenheit ist in gewisser Weise Selbstschutz. Der angebliche Dämon nimmt die vermeintliche Schuld auf sich, damit der Befallene "rein" bleiben kann. Die Psyche spaltet sich, macht sozusagen einen Spagat zwischen dem unerwünschten normalem Verhalten und dem erzwungenen, künstlichen, religiösen Verhalten.