Mittwoch, 6. September 2017

Die Angst vor Leichen und Geistern - Verbot Geister anzurufen - bis hin zum Spiritismus

Spiritismus bedeutet: Geister beschwören. Da fängt es an, einen zu gruseln und wer sich gruselt, schaltet den Verstand ab. Gruseln ist Angst, auf hoher Stufe, an der Schwelle zum panischen Verhalten. Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir flüchten, sobald eine Situation eintritt, die gefährlich sein könnte. Würden wir in solchen Situationen erst lange darüber nachdenken, ob wir fliehen sollen oder nicht, wäre es unter Umständen zu spät. Dazu haben wir drei Gehirne. Das älteste, das Reptiliengehirn, reagiert wenn es schnell gehen muss. 

Für die Existenz von Geistern gibt es bisher keinerlei wissenschaftlich übrzeugende Beweise. Was nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Ich habe zwar nie an Spuk geglaubt, aber zu meiner größten Überraschung, habe ich selbst einmal einen erlebt. Gesehen habe ich jedoch keinen Geist. Vielleicht weil das Licht brannte, oder einfach nur deshalb, weil sich Geister nicht sichtbar machen können? Jedenfalls weiß ich nun aus eigener Erfahrung: sie können sich bemerkbar machen. Sofern es Geister sind und nicht irgendwelche Energien. 

Der Glaube an Geister, die sich den Lebenden zeigen, ist schon sehr alt. Zum Teil mag er daher rühren, dass tote Menschen etwas Unheimliches an sich haben. Was bei Tieren nicht mehr stört, weil die meisten Menschen nicht an eine tierische Seele glauben. Bei ursprünglichen Völkern war das anders. Sie versuchten deshalb, die Seelen der Tiere zu besänftigen. 

Leichen von Menschen machen jedoch auch heute noch sehr oft Angst. Doch nicht in jeder Kultur kennt man diese Angst vor Geistern. Wie eben erst bekannt wurde, essen sogar noch heutzutags, Menschen andere Menschen. https://www.news.at/a/kannibalismus-fall-schockt-suedafrika-8275826  
Doch diese Kannibalen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Manche von denen mögen gar kein Menschenfleisch mehr essen. Aus welchen Gründen auch immer. Allerdings handelte es sich bei diesen Gelagen um magische Riten, die der Gesundheit der Lebenden dienen sollten.

Unsere keltischen Vorfahren waren Kopfjäger. Sie schnitten ihren Feinden die Köpfe ab und nahmen diese dann als Trophäen mit nach Hause. Auch aus magischen Gründen. Manche germanischen Stämme aßen ihre Toten, die Vorfahren der Schweizer waren echte Menschenfresser. Fast immer hat dieses Verhalten magische Gründe. Es gab und gibt Völker
, die zusammen mit den Leichen ihrer Vorfahren leben, bzw. lebten. Während viele Menschen in Europa sich vor Friedhöfen fürchten, in der Nacht dort sogar in Panik geraten, bis hin zum Herzinfarkt, wohnen die armen Menschen Ägyptens in den Todesstädten. Zwar behaupten einige von ihnen sie hätten schon Geister dort gesehen, aber sie fürchten sich nicht vor ihnen. 



Österreich hat in Bezug auf Beerdigungen eine lange Tradition. Man feiert das Begräbnis mit Pomp, sofern man es sich leisten kann, um anschließend ein "Totenmahl" zu halten, bei dem es dann wieder recht lustig zugehen kann. Auf diese Weise macht man den Verstorbenen klar, dass sie nicht mehr länger im Reich der Lebenden weilen und gefälligst auf "der anderen Seite" zu bleiben haben.

Manche Völker trugen sogar die Leiche durch ein Fenster aus dem Haus, um danach diesen Ausgang zu verschließen, damit der Tote nicht wieder zurück findet.

Die Römer fürchteten den Zorn der Toten.

Der römische Dichter Ovid erklärt in seinem poetischen Festkalender (Fasti) die Parentalia aus einer Grundüberzeugung antiker Menschen: Die Seelen der Toten müssen besänftigt werden. Wer dies versäumt, wie es einst Aeneas, dem Stammvater der Römer, einmal unterlief, der beschwört Schlimmes herauf: Den Gräbern entstiegen die Ahnen, mit heulendem Ruf huschten entstellte Seelen durch die Straßen der Stadt, über die Äcker und Fluren. Und erst als man den Gräbern die versäumten Ehren erwies, endeten schlimme Zeichen und Sterbewellen, zeigten sich die Manen - Geister der Toten - versöhnt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/begraebnisriten-der-antike-die-schatten-dahinter-11533098.html




In der Antike stellte man sich das Totenreich trostlos vor. Kein Wunder, wenn die Toten sauer sind, weil sie nicht mehr leben dürfen. Das Christentum kehrte diese Sichtweise um. Der Tod wurde ein erstrebenswerter Zustand. Geister die herum wandelten, taten dies, weil sie nicht "erlöst" wurden, aber nicht weil sie weiterhin leben wollten. Erst die neuere Zeit sah die Seelen der verstorbenen Menschen als quasi gleichberechtigt mit den Lebenden an. Man versuchte mit ihnen zu kommunizieren. Das ist insofern beachtenswert, als die Kirche dies verboten hatte. Der neue Trend mag zum Teil den Errungenschaften der Technik geschuldet sein. Neben der sichtbaren Welt entdeckte man eine neue, unsichtbare. Die Elektrizität wurde er- bzw. gefunden. Stimmen konnten übertragen werden, über Frequenzen die man zuvor nicht kannte. Da ist es nicht mehr so erstaunlich, wenn verstorbene Menschen sich auch auf einer anderen Ebene, aber doch in der Welt der Lebenden aufhalten und über diese Frequenzen kommunizieren können. Ohne Geräte allerdings. 




Es gab viele verschiedene Gründe, sich den Geistern zuzuwenden, sie sichtbar, hörbar, oder sonstwie erfahrbar zu machen. Eine Ursache war der Spiritismus, der den Menschen die Angst nahm, Geister seien böse. Früher hatte man geglaubt sie müssten böse sein, weil die guten Seelen nach kirchlicher Auffassung  in einer anderen Welt, bei Gott lebten. Wer also nicht bei Gott war, der konnte nicht gut sein. Also war er zu fürchten. 


Der Einfluss der Kirche auf die Menschen war zurück gedrängt worden. Die Lehren wurden hinterfragt.

Den Beginn des Spiritismus sieht man im Auftreten der Schwestern Margaret und Kate Fox. Vor allem in den USA und im angelsächsischen Raum verbreitete sich die Idee, man könne mit Geistern ganz einfach kommunizieren und selbst Gegenstände telepathisch verschwinden lassen, oder von dorther in unsere Welt transportieren. Die Schwestern waren Betrügerinnen, doch bis das publik wurde, waren schon viele andere Medien auf den Zug aufgesprungen. Den Weg zum Spiritismus hin bereitet, hatte der Mesmerismus.


Kurz zuvor war das Buch The Principles of Revelation von Andrew Jackson Davis (1847), ein vielgelesenes Standardwerk des Mesmerismus, in den USA erschienen. Der Mesmerismus versuchte ebenfalls, wenn auch auf etwas andere Art („Magnetisierung“), mit Hilfe von Medien Informationen aus einer übersinnlichen Welt zu erhalten. Weitere wichtige Aspekte der Vorgeschichte waren die mystische Lehre Emanuel Swedenborgs und die im französischen Illuminismus des späten 18. Jahrhunderts verbreiteten „Kommunikationen“ mit höheren geistigen Wesen. Im deutschen Sprachraum hatte Justinus Kerner 1826 beträchtliches Aufsehen erregt, indem er die später so genannte Seherin von Prevorst „magnetisierte“ und so dazu brachte, mit den Geistern Verstorbener zu kommunizieren, „Klopfgeister“-Erscheinungen hervorzurufen und von höheren geistigen Wesen empfangene Lehren zu verkünden. Schon 1794 hatte auch Johann Caspar Lavater von spiritistischen Sitzungen berichtet.

Diese Ausbreitung des Spiritismus fiel, wie der Historiker James Webb konstatiert, zeitlich zusammen mit einer „Rückkehr des Wunders ins religiöse Leben Europas“, die sich in zahlreichen Berichten etwa von Marienerscheinungen, Wunderheilungen oder Levitationen zeigte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spiritismus

Wie ich bereits in anderen Artikeln schrieb, halte ich das vermehrte Auftreten von "Wundererscheinungen" für eine Reaktion auf Unsicherheit und Krieg. 1846 führten die USA Krieg. In Europa gab es Aufstände und Revolutionen.

Hippolyte Léon Denizard Rivail, alias Allan Kardec begründete sogar eine neue Religion, die auf den spiritistischen Ideen basierte.
Er selbst sah sich nicht als Medium, sondern er sammelte die Berichte von (angeblichen) Medien. Kardec stellte eine Liste von Fragen zusammen und begann mit diversen „Medien“ zusammenzuarbeiten, um diese Fragen an Geister zu stellen. Daraus entstanden folgende Bücher:
Das Buch der Geister (1857) Das Buch der Medien (1861) Das Evangelium im Lichte des Spiritismus (1864) Himmel und Hölle (1865) Genesis (1868)http://www.spiritismus-dsv.de/index.php/allan-kardec.html

Viele Menschen wissen nichts von dieser neuen Religion, die Lehren die sie verbreitet sind zum Teil aber fast jedem bekannt, der sich irgendwann mit Esoterik auseinandersetzt. Man zitiert sie in diversen Foren, sie werden als absolutes Wissen empfunden und auch als solches weitergegeben. Kardec meinte, es müsse sich um Wahrheiten handeln, weil verschiedene Menschen in verschiedenen Teilen der Welt Gleiches, oder Ähnliches von sich geben.
Nicht der Meinung eines einzelnen Menschen vertraut man sich an, sondern der vereinten Stimme der Geister; nicht ein Mensch, sei ich es oder ein anderer, begründet den Spiritismus; auch nicht ein einzelner Geist, der sich jemandem aufdrängt, sondern die Gesamtheit der Geister, die auf der Erde entsprechend dem Willen Gottes wirken. Dies ist der essenzielle Charakter des Spiritismus, dort liegt seine Stärke. Gott wollte, dass sein Gesetz auf einer unerschütterlichen Basis ruht und deshalb überließ er es nicht dem schwachen Kopf eines einzelnen Menschen.“
Allan Kardec: Das Evangelium nach dem Spiritismus, Einführung, Abschnitt II
http://de.wikipedia.org/wiki/Allan_Kardec

Leider stellte sich mit der Zeit heraus, dass die berühmten Medien meist betrogen. Vielleicht ebbte deshalb der Hype wieder ab.

Ich selbst habe nie eine Seance besucht. Deshalb kenne ich das nur vom Hörensagen. Ein Arzt erzählte mir von einer, welche er selbst miterlebt hatte. Er scheint sehr beeindruckt gewesen zu sein, denn er erzählte immer wieder davon: Ein einfacher Mann fungierte als Medium. Er wusste beispielsweise, dass eine nicht im selben Raum anwesende Frau schwanger war. Sie wusste es selbst noch nicht. Die Seance endete in einem Fiasko. Er drehte total durch. Gemeinsam brachten sie ihn auf die Psychiatrie. Von da an war er – wie er sagte – gesperrt. 

Egal ob es sich um Geister handelt, mit denen man in Kontakt tritt, oder auch nicht – man sollte ein gefestigter Mensch sein, wenn man sich auf ein psychisches Abenteuer einlässt. 

Die moderne Zeit hat andere Mittel gesucht, um mit Geistern in Kontakt zu treten. Dazu gehört die Tonbandstimmen Forschung. Darüber ein anderes Mal mehr.