Mittwoch, 30. August 2017

Wie Mythen enstehen. Das Agnesbrünnl

Das Agnes Brünnl, also der Agnes Brunnen, ist ein Ort, an dem direkt aus dem Felsen Wasser sprudelt. Zahlreiche Mythen ranken sich um ihn.Benannt ist er nach einer Fee, die angeblich Agnes hieß. Agnes ist in Wahrheit eine verniedlichte, bzw. verharmloste, vorchristliche Ur-Mutter-Göttin mit all ihrer geballten Energie und Potenz. Feen sind eigentlich immer alte Göttinnen, die aufgrund der Christianisierung ihren Status verloren haben. Die Existenz anderer Götter und Göttinnen wurde ja kurzerhand von der Kirche aus Konkurrenzgründen verboten. Doch sie sind zäh und lassen sich nicht so einfach vertreiben. Die Menschen lieben und verehren sie weiterhin, wenn auch heimlich unter anderen Namen. Ihr Andenken wird oft hoch gehalten, indem man ihre alte Geschichte in neuere Kostüme verpackt und in wahre, wenn auch halb vergessene, legendenhafte Geschichten einbaut. So entstehen neue Mythen.




Schon der Name Agnes sagt sehr viel über die angebliche Fee aus. Er bedeutet: rein, geweiht, herrlich. Erst seit dem 11. Jahrhundert war er in Deutschland verbreitet, blieb aber eher selten. Fast nur Adelige trugen ihn. Erst im 19. Jhd. wurde er modern.

Es gibt eine heilige Agnes von Rom. Ihre Geschichte ist eindeutig eine Legende, weil sie so wie sie geschildert wird, unmöglich ist. Aber sie hat auch einen wahren Kern. Agnes, so die Mythe, verweigerte die Heirat, weil sie sich dem religiösen Leben verschrieben hatte. Sie sollte deswegen hingerichtet werden. Weil sie noch Jungfrau war, sollte sie vergewaltigt werden, denn es war verboten, eine Jungfrau hinzurichten. Doch das böse Vorhaben klappte nicht, weil plötzlich ihr Körper mit Haaren bedeckt war. Zudem wurde der Vergewaltiger von einem Dämon befallen. Sie rettete ihn aber und wurde dann als vermeintliche Hexe, wie ein Schaf geschlachtet. Sie gilt als Märtyrerin und wird von der katholischen Kirche, als solche auch verehrt.

Offensichtlich ist der Name bereits Symbol, also schon mythische Aufbereitung. Die Geschichte selbst stammt jedoch zum Teil aus dem realen Leben. 

Kaiser Tiberius ließ unzählige, unschuldige Menschen hinrichten. Etwa weil sie zu reich waren, oder weil etwa ein Dichter angeblich schlechte Verse gemacht hatte. Ein Mann versuchte seine Tochter vor ihm zu verbergen, um sie zu schützen und wurde deshalb wegen Blutschande angeklagt. Die Tochter wurde vom Henker vergewaltigt, weil sie noch Jungfrau war. Der Mann war also unschuldig und wieso das Opfer hingerichtet werden sollte, ist auch unklar. Das Mädchen war also in jeder Hinsicht rein, hieß aber sicher nicht Agnes. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass ihre dramatische Geschichte Teil der Märtyrer Geschichte ist. Die Chrsiten brauchten zu Propagandazwecken Märtyrer.


Hinter der armen bürgerlichen Agnes, einem 14jährigen Mädchen aus Rom, steht genauso wie in unserer Feen-Geschichte, die große alte Muttergöttin. Die Kirche verehrt nicht das reale Mädchen, sondern die alte Göttin.

Agnes von Rom wurde mit einem Schaf dargestellt. Hier beginnt der mythische, heidnische Teil der christlichen Geschichte, der sich heimlich eingeschlichen hat. Das Schaf ist nämlich sowohl der keltischen Göttin und Lichtbringerin Brigid, als auch der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara geweiht. Ein direkter Hinweis darauf, dass diese Agnes in Wahrheit eine Göttin ist. Dafür spricht auch die ihr zugeschriebene Macht. Ein Dämon fährt in den Vergewaltiger bedeutet, sie hat die Macht, über Dämonen zu herrschen. Dann aber "betet" sie ihn wieder gesund, was natürlich erst recht ihre Macht zeigt. Sogar das Feuer, in welches man sie werfen will, weicht vor ihr zurück. 
Hier findet man wieder eine andere, heidnische Geschichte in dem Mythos. Nämlich die der Göttin Hera, welche den Dionysos mit Wahnsinn geschlagen hat. Dieser Dionysos wurde vor allem von Frauen verehrt. Die Mänaden, seine Verehrerinnen, trugen die Felle wilder Tiere, weil er als Herr der wilden Tiere galt. Hera ist sozusagen die "ewige Jungfrau", weil sie beim Bad im Imbrasos ihre Jungfräulichkeit erneuert. Das erklärt wohl, warum Maria als Jungfrau bezeichnet wird. Auch sie symbolisiert Hera, welche außerdem eine der zwölf olympischen Götter ist, was auch diese Zahl für die Christen so bedeutsam macht.

Kein Wunder also, dass unsere Fee Agnes im Wald lebt, auch im Berg, wie Göttinnen das eben so tun und sich einen Jäger anlacht, von dem sie sich schwängern lässt. In den Bergen gibt es Höhlen und Grotten. In diesen Grotten, dem Bauch der Göttin, wurden schon seit vielen Jahrtausenden Göttinnen verehrt. Ihre Namen mögen längst vergessen sein, doch Name ist Schall und Rauch. Auch die baskische Göttin Mari lebt in einem Berg, in einer Grotte. http://www.artedea.net/mari-%E2%80%93-baskische-mutterg%C3%B6ttin/ Diese verlässt sie alle sieben Jahre. Einer ihrer Wohnorte ist Lourdes und - wenig überraschend - sieht sie genauso aus, wie die Kinder in ihrer Vision sie gesehen haben. Mari und Maria - kein großer Unterschied. Alle Menschen mit europäischen Vorfahren sind (auch Basken). Deshalb leben in uns allen, Reste alter Vorstellungen weiter. Ob unsere Fee Agnes nun baskisch, germanisch, griechisch oder keltisch ist, spielt keine so große Rolle. Selbst die christliche "Mutter" - Gottes Maria besteht aus verschiedenen Elementen und ist doch nur eines: die große Mutter, die alles gebärende Göttin.

Zum Agnesbrünnl gibt es verschiedene Geschichten. Eine davon wurde 1941 veröffentlicht. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?apm=0&aid=wnn&datum=19411003&seite=03
Eine Geschichte findet man diekt beim Agnes Brunnen und eine habe ich auf kelten.at gefunden, einer nicht mehr exisistierenden Webseite. 

Das Agnesbrünnl entsprang einem Baum wurde gesagt. Das weist auf die Kelten hin, deren Heiligtümer Baum, Quelle und Stein waren. Die Quelle kommt tatsächlich direkt aus dem Felsen.  Gleich daneben wächst ein Baum. Man hat zwar versucht die Menschen daran zu hindern, an diesen Ort zu pilgern, indem man den damals dort verehrten Baum fällte, doch ohne Erfolg. 


Sievering, so heißt der Ort in der Nähe des Brünnels, habe damals (so lautet eine der Geschichten) noch gar nicht so geheißen. 1156 hieß der Ort bereits Sivring. Also müsste sich diese Geschichte eher davor abgespielt haben. 
Es werden auch feindliche Türken in der Geschichte  erwähnt. Aber die Türkenkriege mit Österreich begannen erst 1526. Die Türken können es also nicht gewesen sein, weil damals der Ort schon sehr lange Sievering hieß. Hier vermischen sich offenbar neue Probleme mit alten Erinnerungen.

Ein schwedischer König sei zu Besuch in Wien gewesen und habe im Wald gejagt. Um 1100 herum kann das sicher nicht passiert sein. Erstens war Wien viel zu weit weg, um mal kurz in der Gegend zu jagen und zweitens verreisten damals die schwedischen Könige sicher nicht um Urlaub zu machen. Der König hieß Karl.

Der erste schwedische König, der Karl hieß, lebte bis 1167. Der könnte zeitmäßig vielleicht sogar passen. Vielleicht gab es alte Geschichten über diesen König, die in Europa kursierten. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sein Vater zum Christentum übertrat. Was vermutlich allgemein Beachtung fand und sich sicher herum sprach. Allerdings gab es einen Anund Jakob „Köhler“ (Kolbränna) * 1000; † 1050. Erwähnt wird ja, dass Agnes mit dem schwedischen König schlief und daraufhin eine Tochter gebar. Diese Tochter wurde einem Köhler gegen Bezahlung übergeben, der sich um das Kind kümmerte. Worüber sich der Erzähler wunderte. Denn wieso gibt eine Fee ihr Kind einfach so weg? Das ist leicht erklärt. Hier haben sich wieder mehrere Geschichten eingeschlichen. Denn: Eine andere Version behauptet, das Kind stamme von der Fee und einem Köhler. Also wieder Köhler. Warum sollte eine Fee sich einen so armen Mann nehmen? Der Köhler ist offenbar eine wichtige Person in dieser Version der Geschichte.
  
Da die Türken es nicht gewesen sein können, auf welche Bezug genommen wurde, könnten die Einfälle der Magyaren, Wikinger und Slawen gemeint sein. Diese Einfälle endeten mit der Schlacht auf dem Lechfeld, im Jahr 955. Das wäre dann eine weitere Geschichte, denn der schwedische König mit Beiname Köhler (man nannte ihn so, weil er Häuser niederbrennen ließ), lebte damals noch nicht. Sein Großvater regierte. Immer wieder tauchten Wikinger in Europa auf, die auf Raubzug aus waren. Nicht in Österreich, dafür in deutschen Städten und in Paris. Ungefähr zwischen 880 und 892. Auch wenn es damals noch keine Zeitungen gab, erfuhren das die Menschen überall. Die Erinnerung blieb vermutlich haften, aber später wussten die Menschen nicht mehr so genau, wer die Städte verwüstet hatte. Immerhin lagen diese Ereignisse mehr als 600 Jahre zurück.

Da sich der schwedische König mit Agnes an einer Quelle vereinigt, nachdem er seinen Harnisch an einen Baum hängte, beides Hinweise auf heidnische Heiligtümer, scheint unsere Agnes eher eine Fruchtbarkeitsgöttin zu sein. Der Akt an sich, eine heilige Hochzeit. Genau an dem Ort wo sich die Geschichte abspielt, dort befindet sich auch der (Am) "Himmel".

Die Geschichte endet dann damit, dass der Karl, der Sohn des Köhlers, die namenlose Tochter von Agnes heiratet, sie betrügt und damit sein Schicksal besiegelt. Der Palast versinkt und er muss ruhelos umherirren, ebenso wie sie. Warum Agnes umher irren muss wird nicht erklärt. Sie hat ja nichts mit der Sache zu tun. Aber was Karl betrifft ist die Sache klar. Zuvor erwähnte ich Hera und Dionysos. Auch der irrt herum. Somit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei der Märtyrerin Agnes gelandet.

Hier nun die eine Variante der Geschichte, etwas gekürzt:

In Sievering also – das zu der Zeit noch nicht Sievering hieß – soll in dem Hügel, der heute Am Himmel genannt wird, eine Fee in einem unterirdischen Palast gewohnt haben, die den Namen Agnes trug. Genau genommen residierte sie nur im Winter im Berg, während sie es im Sommer vorzog, sich „in hohlen Bäumen” aufzuhalten oder „unter freiem Himmel” zu schlafen. In so einer sinnlich lauen Sommernacht soll sich auch ein König von Schweden zu Gast in Wien befunden haben, „um einer großen Jagd beizuwohnen”.

Nebenbei bemerkt, soll dieser König Karl geheißen haben. Doch Karls oder Carls gab es unter Schwedens Königen derart viele, dass dieser Hinweis allein nicht reicht, die Zeit des auf Wiener Boden folgenden Abenteuers halbwegs einzuschränken. Sei es wie es sei, der König aus dem Norden verfolgt voller Jagdlust ein Wiener Reh, und verirrt sich dabei „bis auf die hochliegende Jägerwiese”, die zum Revier unserer sagenhaften Fee gehört.

Der im Jagdeifer ermüdete König zieht dort endlich seinen Harnisch aus – der die Jagd sicher nicht gerade erleichtert hat – hängt ihn an einen kräftigen alten Baum und legt sich selbst ins Gras, „um die Nacht hier zuzubringen”. Zwar war ihm heute ein scheues Reh entwischt, doch sollte er den Tag mit anderen lustvollen Freuden beschließen können. Als der königliche Herr Karl unter dem Baum nämlich gerade sanft entschlummern wollte, „bemerkte er an seiner Seite eine wunderliebe Frau”, und nicht weit von seinem überraschend gastfreundlichen Liebeslager hörte er „eine Quelle hervorsprudeln”.


Agnes, so hieß die wunderschöne Fee, blieb bei dem königlichen Jäger und schlief mit ihm bei der Quelle am Rande der Jägerwiese. Das hatte natürlich Folgen! Die Quelle soll seit dieser Nacht das „Agnesbründl” heißen, und Agnes selbst „gebar ein Mädchen”. Warum die schöne Schlossbesitzerin das Kind nicht behielt, geht aus der Sage nicht hervor. Dort ist aber die Rede davon, dass sie das kleine Mädchen für zehn Goldstücke pro Woche bei einem Köhler-Paar in Pflege gab. Die hatten wiederum einen Sohn, der wie der Schwedenkönig, der sich schon am Tag danach aus dem Staub gemacht hatte, Karl geheißen haben soll.

Als dem Köhlerspross dann auch noch der Harnisch passte, den der entschwundene (Schwieger-)Vater König nach jener lauen Liebesnacht in üblicher Eile vergessen bzw. hängen gelassen hatte, war es für Agnes klar, dass der jüngere Karl die Tochter des älteren freien sollte. Als Mitgift bekam die Braut „einen Palast bei Sievering” (vielleicht den Am Himmel), während der erwählte Bräutigam sich im Harnisch noch gegen die Türken bewähren sollte, die damals gerade wieder einmal Wien belagerten. 

.........
 
Zurück im Sieveringer Wald leugnete Karli zwar später ganz frech seinen Seitensprung. Doch mit der Untat ward es prompt um ihn und die Schlossherrn-Existenz geschehen. Es „öffnete sich die Erde und mit furchtbarem Getöse sank der Palast in den Abgrund”, und eine Art „Sippenhaftung” trat in Kraft: „Agnes und Karl sind verwunschen, herumzuwandeln bis zum Jüngsten Tag, und zwar er in Schuld und sie in Unschuld”. Seither wird die Jägerwiese beim Agnesbründl täglich zur Bühne. Da erscheint nämlich „ein geharnischter, schwarzer Mann. Um zwölf Uhr mittags und zwölf Uhr nachts steigt er aus einem Baum heraus.”

 

Diese Geschichte erschien auf Kelten.at.

Die Menschen haben vergessen und auch verdrängt, dass Agnes eine Göttin ist. Deshalb suchen sie nach anderen Erklärungen und vor allem nach historisch greifbaren Personen. Schließlich wird auch ein Palast erwähnt, in welchem die Beiden zeitweilig hausen. Das mag auch seine Berechtigung haben, denn unser Märchen besteht ja aus vielen Geschichten. Da passt die folgende auch gut dazu. Da der Name Agnes in erster Linie den Töchtern von Adeligen gegeben wurde, ist es kein Wunder, wenn sich eine adelige Agnes zu irgendeiner Zeit finden lässt.

Zeitmäßig würde die adelige Agnes durchaus in die Geschichte passen, zumindest als Namensgeberin für eine alte Göttin. Ihr Mann, der heilige Leopold, drückt der Sage auf diese Weise einen christlichen Stempel auf, damit die Heiden auf ihre Götter schneller vergessen. Was allgemein üblich war. Im allgemeinen wurde nicht mit Zwang christianisiert. Im Mittelalter wurden Zwangschristianisierungen von kirchlicher Seite oft abgelehnt, da die Ansicht vorherrschend war, dass der mit Gewalt aufgezwungene Glaube, nicht dauerhaft sein könne. So äußerte zur Zeit Karls des Großen etwa Alkuin Kritik am königlichen Vorgehen: Zur Taufe könne ein Mensch getrieben werden, nicht aber zum Glauben. (https://de.wikipedia.org/wiki/Christianisierung) Man arbeitete lieber mit allerhand Tricks und erreichte damit, dass das Heidentum im Schatten der Kirche überleben konnte.

.... Sie diente immer schon als Mittelpunkt der Sagen, die von der bewegten Geschichte dieser Region geprägt waren. Einmal tritt sie in den Geschichten als Waldfee auf, ein anderes Mal ist sie ein einfaches Mädchen. Eigentlicher Kern dieser Sagen ist aber wohl Agnes, die Frau des Gründers von Klosterneuburg, Markgraf Leopold III. Dieser steht, nicht zuletzt auch als Landespatron von Niederösterreich, nach wie vor in großer Popularität, der auch heute noch in Klosterneuburg ihm zu Ehren stattfindende Leopoldikirtag (Landesfeiertag in Niederösterreich, Faßlrutschen) zählt zu den beliebtesten Festen des Landes. Kaum ein Wiener weiß, daß der Wiener Landespatron Clemens Maria Hofbauer ist und nicht, wie allgemein angenommen, Leopold. Über die Markgräfin Agnes weiß man im Volk, abgesehen von der Schleierlegende (die Gründungslegende von Klosterneuburg), kaum etwas, auch wenn ihre historische Bedeutung durchaus belegt und in größerem Umfang bekannt ist.
ht
tp://members.aon.at/godot/Agnesbruendl.html


Warum heißt die Quelle Agnesbrünnl? Der Name ist neueren Datums. Die folgende Geschichte erklärt auch nicht viel, weil ein Marienbild rein gar nichts mit der Geschichte zu tun hat. Denn nicht erst seit man ein Marienbild dort anbrachte, war es ein Wallfahrtsort. Die Christen haben immer versucht, heilige Stätten der Heiden zu ihren eigenen zu machen. Es wird zwar auf https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Agnesbr%C3%BCnnl erklärt, die Fee Agnes sei nicht mit der germanischen Göttin Freya gleichzusetzen, weil eben der Name Agnes Brünnl erst mit der adeligen Agnes aufgekommen sei, aber das ist keine überzeugende Erklärung. Möglicherweise hieß die Quelle davor
Kogelbrünnl, oder Chogelbrünnl. Was aber nicht notwendigerweise bedeutet, dass sie vor der Namensgebung nicht auch schon verehrt wurde. Gerade diese Namensgebung und die spätere noch stärker betonte Christianisierung durch ein Bild der Maria spricht sogar sehr dafür, dass es sich um eine heilige Quelle handelt. Um die einer germanischen, oder einer keltischen Göttin.

Wenn man sich die Sagen um das Agnesbrünnl ansieht, findet man mehrere Elemente, die auf alte Kulte hinweisen. Meistens geht es um diese Burg, die im Berg versunken ist und um Eifersucht. Da kommen dann aber doch andere Dinge dazu. Etwa eine Zauberin, die mit dem Burgfräulein Agnes gemeinsam in der Burg wohnt. Aufgrund von Eifersucht zaubert die Zauberin die Burg in den Berg hinein. Agnes Nicht und Karl werden als Drachen verzaubert und warten auf ihre Erlösung. Oder: Agnes, Karl und die übrigen Schlossbewohner können erlöst werden, wenn sich jemand traut, den Teufel in Gestalt eines Adlers zu beschwören und diesem den Schlüssel aus dem Schnabel nimmt. https://symboleigenschoepfung.files.wordpress.com/2014/01/sageninhalte-nc3b6.pdf  Sobald Drachen und der Teufel im Spiel sind, geht es um Christianisierung. Ein heiliger Leopold wird sich sicher einfallen haben lassen. Bei den Griechen und bei den Germanen war der Adler Symbol für die höchste Gottheit. Odin fliegt in Gestalt eines Adlers. In den Viten der frühmittelalterlichen Glaubensboten personifiziert der Drache das Heidentum, die Sünde, später die Ketzerei. Letzteres passt sogar sehr gut zu unserer Geschichte. Sowohl inhaltlich, als auch zeitlich.

Der Ursprung liegt, wie bei vielen derartigen Orten, in einem Marienbild, das an einer bei der Quelle stehenden Buche angebracht war. Dieses Bild wurde 1805 von einer alten Frau aus Klosterneuburg namens Theresia Schreckin gespendet. Viele andere derartige Heilige Orte datieren wesentlich früher, vor allem im Barock fand eine Flut von Wundern und Mirakeln statt, die viele dieser Orte hervorbrachte. (vgl. auch : Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden, Klosterneuburg 2000)

Wieder gerade rechtzeitig bei Beginn eines Krieges beginnt eine Hysterie, aufgrund eines Bildes, oder einer "Erscheinung". Zwar spielt die Sage auf die Türkenkriege an, aber sie mobilisiert wohl eher Kräfte gegen den Ungarnkönig.

Nachdem Österreich mit Schweden dem Bündnis mit Russland und Großbritannien am 9. August 1805 beigetreten ist, beginnt auch für Österreich der 3. Koalitionskrieg. Frankreich erklärt am 23. September 1805 Österreich den Krieg.

Der Österreichische Befehlshaber General Mack wurde am 20. Oktober mit einem Heer von 23 000 Mann bei Ulm zur Kapitulation gezwungen. Am 28. Oktober rief Kaiser Franz in einer Proklamation an sein Volk zum Widerstand auf. In Wien beginnen im November die Vorbereitungen auf eine Besetzung der Stadt durch Französische Truppen. Die Franzosen marschierten am 13. November In Wien ein und bemächtigen sich kampflos der Taborbrücke (links), die entgegen dem Befehl nicht abgebrannt worden war. Die Besetzung erfolgte ohne Widerstand und
die Franzosen wurden geradezu neugierig von der Bevölkerung begrüßt. Napoleon zog in Wien am 14. November 1805 in Wien ein und bezog in Schönbrunn Quartier. Drei Wochen später besiegten die Armeen Napoleons am 2. Dezember bei Austerlitz die vereinten Armeen von Österreich und Russland. die Russen zogen sich zurück und Österreich musste im Friedensvertrag von Preßburg drückende Friedensverhältnisse akzeptieren.


http://www.wien-vienna.at/geschichte.php?ID=205

Auch hier wird der Ursprung der Legende in christlicher Zeit gesucht, doch die christliche Zeit ist nicht der Beginn des Kults. Es werden Personen erwähnt, deren Existenz nicht historisch belegt ist, die aber von nachfolgenden Generationen widerspruchslos als existent angesehen werden.Der alte Kult wird aus dem Bewusstsein verdrängt, obwohl er im Volk lebendig blieb, bis in die heutige Zeit. Man versucht ihn sogar zu verbieten, indem der heilige Baum, der Teil der Verehrung ist, einfach umgeschnitten wird. Oder sollte auch dies nur Teil der Legende sein? Auch der älteste und mächtigste Baum stirbt irgenwann einmal, das ist ein Naturgesetz, das jeder kennt. Ein heiliger Baum sollte nicht einfach so sterben, es sei denn durch Frevel. Genau dieses Element findet man auch in solchen Geschichten häufig. Man denke an das Marienbildnis, das angeblich vom Frevler ins Wasser geworfen, aber dann doch wieder daraus "errettet" wird.

Was ist an dem was wir für Geschichte halten denn wirklich wahr? Gefälscht und verfälscht wurde immer, Lügenpropaganda gab es auch schon immer. Legenden sind häufig Teil einer breit gefächerte Lügenpropaganda.

Der Kult des Agnesbrünnels blieb jedenfalls lebendig. Man ging hin um die Lottozahlen zu erfahren, oder um geheilt zu werden. Selbst heute noch findet man auf einem Strauch, der neben dem Brünnl wächst, viele bunte Bänder, die von Gläubigen dort angebracht werden. Ob sie ihre Wünsche an eine angebliche, katholische Heil
ige, oder an die alte Muttergottheit richten, bleibt deren Geheimnis.


 

Eine Kirche ist nicht in der Nähe gebaut worden, dafür ein großer Gasthof. So wie in früheren zeiten auch Wahrsager und Prostituierte an diesem Ort ihre Geschäfte abwickelten, was in einem Wallfahrtsort so offen undenkbar wäre, ist bis heute dort nichts "christliches" zu finden. Die Quelle, aus der eiskaltes Wasser auch im Hochsommer rinnt, liegt eher versteckt mitten im Wald. Die Umgebung wirkt nicht "gezähmt", sondern wild-romantisch, gerade an dieser Stelle. Von Geistern und "schwarzen Männern" wurde berichtet, die man dort antreffen könne. Es gibt noch eine Sage, die sich um diesen Ort rankt. In der Nähe soll es einmal ein Nonnenkloster gegeben haben, in das sich eine Zauberin einschlich. Offenbar war sie eine Hexe, denn sie flog auf den Blocksberg. Der Teufel verschonte sie, solange sie sich im Kloster aufhielt, lockte sie aber einmal hinaus, um sie zu zerreißen. Seither soll ihr Geist in Gestalt eines gekrümmten, stummen, alten Weibes in der Gegend des Buchenstammes zu sehen sein, der bei dem "Brünnlein am Kobel" (jetzt Agnesbrünnl) aufragt. (
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/wien/sagen_legenden_gugitz/teufel_versucher.html


Auch diese Sage klingt nach alten, später verbotenen, kutlischen Handlungen.
Ob es dort Heilungen gab, oder gibt und ob es dort Geistererscheinungen gab, oder gibt, wäre ein Thema für die Parapsychologie. 


Im Internet findet man beispielsweise eine Seite http://www.cleos-homepage.com/orbphaenomen.htm auf der unter anderem das Agnesbrünnel zu sehen ist - und ein "Orb". Frau Heidemarie Scherl, die Betreiberin der Seite behauptet: "Es gibt verschiedene Arten von Orbs. Z.B. Seelen-, Engel- und Geister- Orbs." und sie bemängelt, dass Skeptiker glauben, Orbs seien nur Reflexionen. Sonst habe ich nichts über Geistererscheinungen, oder andere, paranormale Phänomene in dieser Gegend im Internet gefunden, deshalb nehme ich an, dass es dort keine derartigen Erscheinungen gibt. Oder es kommen zu wenige Geisterjäger in die Gegend. Ob die alte, keltische Muttergottheit heute noch wirksam ist, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.  

Gemeinhin glaubt man, alte Kulte und Göttervorstellungen seien mit der Christianisierung verschwunden. Das stimmt sicher nicht. Sie wurden lediglich mit neuen Namen versehen. Von den Menschen wurde meistens das angenommen, was ihrer eigenen Religion nahe stand. Was nicht angenommen wurde, hat der Eingott-Glaube integrieren müssen, um die Erinnerung auszulöschen. Dazu zählt beispielsweise die Kindstaufe. Im frühen Christentum gab es sie noch nicht. Nur Erwachsene wurden getauft, als Zeichen der Wiedergeburt in Christi. Im europäischen Raum wurde daraus die Taufe von Kleinkindern, eigentlich eine Namensgebung. Bis heute hält sich der - jetzt christliche - Glaube, ungetaufte Kinder dürften nichts ins Paradies. Warum das so ist? Sie basiert auf einer alten Mythe. Wenn einmal im Jahr die wilde Jagd durch die Stuben brauste, nahm sie die Seelen der in diesem Jahr verstorbenen Kinder mit. Hatte ein Kind noch keinen Namen, musste es bleiben. Man konnte es aber erlösen, wenn man ihm im letzten Moment noch schnell einen Namen zurief. https://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd

So wie sich christliche Vorstellungen, die eigentlich heidnischen Ursprungs sind  halten, blieben auch rein heidnische Vorstellungen im Volk lebendig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Mutter hängte zum Jahreswechsel keine Wäsche auf, weil dann im kommenden Jahr jemand aus dem Haus sterben würde. Hierbei geht es um dieselbe Mythe. Von der wilden Jagd darf man nicht entdeckt werden, weil man sonst stirbt. Meine sehr christliche Nachbarin, die es nicht wagt, einen Hollerbusch zu fällen, ist ungefähr so alt wie ich. Sie kommt vom Land, wo dieser Glaube noch lebendig ist. Was sie vermutlich nicht weiß ist, dass im Holleerbusch die Frau Holle sitzt. Früher eine Göttin, heute eine Märchenfigur.

Die Geschichte von der wilden Jagd wird in verschiedenen Versionen erzählt. Sie wird mit Odin in Verbindung gebracht, aber auch mit Frau Holle, oder mit Frau Percht. https://de.wikipedia.org/wiki/Perchta 

In den Alpendörfern gehen bis heute die Perchten um. 

Darüber mag man schmunzeln, oder es als Aber-Glaube bezeichnen. Doch was ist der Unterschied zwischen einer christlichen Kindstaufe und der Verehrung des Hollerbusches? Beides stammt aus uralten Zeiten und wenn die Menschen vielleicht gar nicht mehr den Ursprung kennen, bleibt der Glaube doch lebendig. Man kann nicht immer mit Sicherheit sagen, welches Volk welchen Kult hervor gebracht hat. Vieles ist miteinander verschmolzen. Der Name Percht dürfte beispielsweise keltischen Ursprungs sein. Dort wo Kelten lebten, also in Bayern und in Österreich, erhielt sich dieser Name, im hohen Norden hieß die anführende Person eben Odin. In der Antike war es durchaus üblich, Götter aus verschiedenen Kulturen miteinander zu vergleichen und auf eine Stufe zu stellen. Deshalb fällt es auch so schwer, die Ursprünge von Kulten festzumachen.