Sonntag, 5. März 2017

Der Komiker Hape Kerkeling beschreibt in seinem Buch eine Erinnerung an ein früheres Leben. Er glaubt, im 2. Weltkrieg erschossen worden zu sein.


Der Komiker  Hape Kerkeling beschreibt in seinem Buch eine Erinnerung an ein früheres Leben. Er glaubt, im 2. Weltkrieg erschossen worden zu sein.
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg. Piper, München 2009, ISBN 978-3-492-25175-4

Zwei Freundinnen überredeten ihn, an einem Reinkarnationsseminar teilzunehmen.Der "Reinkarnationstherapeut hieß Carsten.


Ich lebe in einem Kloster. Ich bin ein junger Franziskanermönch. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. In der Ferne sieht man Breslau. Es ist Herbst, und es muß heftig geregnet haben, denn die dunkelbraune Erde auf den Wegen und Äckern rund um das wuchtige Kloster ist matschig.
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Die ganze Klosteranlage ist mir erschreckend vertraut, und ich finde mich dort ohne Probleme zurecht. Eine Nonne kommt auf einem klapprigen Fahrrad über einen Hohlweg aus der Stadt und bringt uns jeden Tag Essensreste aus den Krankenhäusern der Umgebung, von denen wir kärglich leben. In der Kapelle sehe ich die Mitbrüder und mich während der Messe. Alles ist so, als wäre ich hier vollkommen zu Hause.
Plötzlich sehe ich mich im Arbeitszimmer des Abtes, während ich gleichzeitig auf dem Teppich der Doppelhaushälfte in Frankfurt liege, und höre mich laut zum Abt und Carsten sagen: „Der Kohlenhändler wird heute kommen. Ich werde ihn in den Keller begleiten.“ Eine unsagbare Angst, ein Gefühl der totalen Vernichtung steigt in mir hoch. Als nächstes begleite ich den Kohlenhändler, der eine Schubkarre mit Kohlen vor sich her schiebt, über eine Rampe in den kalkweißen Keller.
Mein Herz schlägt tatsächlich bis zum Hals und mir bleibt auf dem Teppich in Frankfurt die Luft weg. Und während der Mann im Keller ablädt, weiche ich nicht einen Meter von seiner Seite. Meine Aufgabe ist es, ihn während der ganzen Zeit zu beaufsichtigen und abzulenken, denn hinter einem mannshohen Haufen von Rüben halten wir eine vierköpfige jüdische Familie versteckt.

"Seine Wiedergeburtsgeschichte wirft da mehr Fragen auf: Ist der Mönch aus dem Zweiten Weltkrieg doch nur ein PR-Gag? Geht es Kerkeling lediglich um eine Reinkarnation in seiner Künstlerkarriere? Bei "Kein Pardon" hat er sich mal von Kollegin Ulla in ein früheres Leben zurückführen lassen - um dann zu sagen: "Total verarscht."

Denn nicht bloß Christen möchten nicht an Wiedergeburt glauben. Materialisten tun es sowieso nicht, ganz besonders dann nicht, wenn sie Linke sind.  Man glaubt angeblich nicht, was sich nicht beweisen lässt, obwohl man die eigene Theorie - mit dem Tod sei alles aus - auch nicht beweisen kann. Diese mit-dem-Tod-endet-alles-Theorie ist ja insofern praktisch, als man sich um nichts Gedanken machen muss. Denn wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Wer an Wiedergeburt glaubt muss nicht unbedingt an eine höhere Instanz glauben, aber er kann die Existenz einer solchen auch nicht mit Sicherheit ausschließen. Glaubt man an den Zufall und an den "wahren" Tod, ist man für nichts verantwortlich. Das beruhigt das Gewissen, oder setzt es sogar außer Kraft. 

Solche Leute  kämpfen genauso wie religiöse "Gläubige" um ihren nicht-religiösen "Glauben". Kein Wunder also, dass Kerkeling fast schon genötigt wurde zu erklären, er würde nicht an Wiedergeburt glauben.

Kann jemand der sich über die Leute lustig machte, welche an Wiedergeburt glauben, weil er materialistisch denkt, plötzlich vom Saulus zum Paulus mutieren? Skeptiker wollen auch das nicht für wahr haben. Es scheint aber so zu sein. Die Aussage: Die Zeitung habe es dann «leider am Ende so dargestellt, als wäre ich nun überzeugter Anhänger des Reinkarnationsglaubens. Das ist nicht richtig - wird als Bestätigung für die eigene Theorie interpretiert. Dabei sagt er nicht, dass er nicht an Wiedergeburt glaubt, sondern nur, dass er kein überzeugter Anhänger dieser Theorie ist. Was nicht notwendigerweise bedeutet, er wäre davon überzeugt, dass sie falsch sei.

Kerkeling behauptet nicht unbedingt, dass seine Erinnerung eine echte sein muss, er beschreibt einfach nur einen Zustand, ohne ihn genauer einzuordnen. Trotzdem sagt er nicht, er würde nicht an Wiedergeburt glauben. Er legt sich nicht fest. Immerhin kann jemand zu einer Sache keine Meinung haben, weil ihm bewusst ist, dass er nicht Bescheid weiß.

An sich wäre es möglich zu beweisen, oder zu widerlegen, dass diese Geschichte stimmt, könnte er sich an seinen Namen und das Kloster erinnern. Darüber könnte es vielleicht Unterlagen geben. Reinkarnationsforscher würden auf überprüfbare Beweise hinarbeiten, Therapeuten tun dies leider eher nicht.

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