Hinweis

Auch wenn die meisten Menschen esoterische und paranormale Themen für harmlos halten, möchte ich doch darauf hinweisen, dass sie für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, sowie für Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung, schweren psychischen Leiden, oder Bewusstseinsstörungen, nicht geeignet sind. Wer meinen Blog liest, tut dies auf eigene Verantwortung, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren untersage ich hiermit das Betreten meines Blogs, obwohl rein rechtlich gesehen, keine jugendgefährdenden Inhalte auf meiner Seite zu finden sind. Meiner Meinung nach können aber esoterische und paranormale Themen, sowie Verschwörungstheorien bei Kindern und Jugendlichen zu Ängsten führen und in Folge dessen zu Irrationalem Verhalten. Für die Einhaltung dieser Regel sind die jeweiligen Erziehungsberechtigten verantwortlich zu machen.

Sonntag, 19. Februar 2017

Was Trutz Hardo, Gershom Scholem, Steiner, etc. zur Wiedergeburt sagen


Aloisia Kopp schreibt in ihrem Buch: Warum wir an das Schicksal glauben, Böhlau Vlg.

"Die Möglichkeit des endgültigen Scheiterns ist Teil der Lehre des Christentums, nicht jedoch der westlichen Karma- und Reinkarnationslehre und mit dieser nicht vereinbar. Die spirituelle Höherentwicklung und "Wiedervergeistigung" von Mensch und Kosmos, welche das in der Antroposophie vom Menschen in Freiheit zu wählende Ziel darstellt, lässt keine Möglichkeit des endgültigen Scheiterns offen (Steiner lehnt auch die Reinkarnation in Tiere ab, welche einen wesentlichen Rückschritt in der menschlichen Entwicklung darstellen würde) im Gegensatz zum Christentum, wo durch die Freiheitsentscheidung des Menschen gegen Gott und seine Gebote ein Scheitern der menschlichen Existenz möglich ist und in ewigen Höllenstrafen enden kann. Die Möglichkeit des endgültigen Scheiterns wird durch zahlreiche Bibelstellen belegt. Die westliche Karma- und Reinkarnationslehre erscheint daher in diesem Punkt wesentlich humaner als die Lehre des Christentums.

Ob gewollt, oder ungewollt - die Autorin schreibt deutlich, worum es eigentlich immer geht.Man glaubt was man glauben möchte und "lehnt ab", was einem nicht passt.

"Steiner lehnt auch die Reinkarnation in Tiere ab"
"Die westliche Karma- und Reinkarnationslehre erscheint daher in diesem Punkt wesentlich humaner als die Lehre des Christentums"



Religiöse Lehren versuchen eben nicht, Phänomene zu erklären, sondern diese in ihr Weltbild zu integrieren, sofern sie dieses Weltbild stärken, während sie alle Phänomene die das bestehende Weltbild stören, oder gar zerstören könnten, einfach verbieten. Diese Verhaltensweise ist auch dort noch spürbar, wo religiöse Lehren keinen Platz mehr zu haben scheinen, nämlich in linken und rechten Ideologien. Woran man erkennen kann, dass auch areligiöse Ideologien "Glaube" darstellen. So steht oft Glaube gegen Glaube und man streitet, verbiete und drängt auf, was man nicht weiß und auch nicht versteht.

Eine religiöse Ideologie muss auch einer gewissen Logik folgen, was oft erfolgreich umgangen wird, indem man Widersprüchlichkeiten fördert. Aber allen Widerspruch kann man auch nicht zulassen, denn dann verliert man die Glaubwürdigkeit. Judentum, Chrsitentum und Islam können Wiedergeburt nicht zulassen, weil sie an die Auferstehung der Toten, also an das Weltengericht glauben. Würde man gleichzeitig Weidergeburt annehmen, hätte man unheimlich viele überzählige Leichen. Das ist der wahre Grund, weshalb sich die Angehörigen dieser Religionen erfolgreich gegen die Anerkennung der Wiedergeburtstheorien streuben. Nur Mystiker widersetzen sich dieser Logik. Sie widersetzen sich jeglicher Logik. Materialisten könnten theoretisch an Wiedergeburt glauben - dieser Glaube steht nicht im Widerspruch zum Materialismus. Er würde ihn sogar bestätigigen, wäre da nicht die Zeit zwischen Tod und Wiederverkörperung. Denn Wiedergeburt im Sinne von Seelenwanderung bedeutet ja im Prinzip, ständiges Leben als materielles Wesen. Für ein ewiges Leben in materieller Form gibt es derzeit ja auch keinen Beweis und so könnte man theoretisch auch ein zeitlich begrenztes "Immerwiederkehren" annehmen. Weil es jedoch nicht um Erkenntnis einer Wahrheit geht, sondern um den Glauben an das was einem genehm ist, reduzieren sich Diskussion zum Thema Wiedergeburt meistens auf die ideologische Ebene.

Im Mittelpunkt eines derartigen, ideologischen Streits, steht der Autor Trutz Hardo https://de.wikipedia.org/wiki/Trutz_Hardo. Er schrieb einen Roman, in dem er auch über die Idee der Wiedergeburt als Lohn und Strafe für frühere Leben schreibt. Dafür wurde er von einem deutschen Gericht verurteilt.

Am 26.3.1997 in Abwesenheit von Trutz Hardo drangen drei Polizeibeamte in seine Berliner Wohnung ein und nahmen eine ganze Reihe von Unterlagen mit.
Im Mai 1998 verurteilte das Schöffengericht Neuwied den Autor zu 100 Tagessätzen zu 40,- DM pro Tag samt Verbot des Romans JEDEM DAS SEINE.

Fünf Tage vor dem Prozess in zweiter Instanz am 23. Mai 2000 in Koblenz befand sich Trutz Hardo noch in Berlin. Er wurde am frühen Morgen gegen 5:15 Uhr von der Polizei telefonisch benachrichtigt, die ihn aufforderte, zu seinem Fahrzeug zu kommen. Auf dem Photo können Sie sehen, was geschehen war. Jemand hatte eine Brandzündung unter das linke Vorderrad gelegt. Die Flammen verursachten Totalschaden, obwohl die Feuerwehr in kürzester Zeit den Brand löschen konnte.

Am 30. Mai 2000 erfolgte das Urteil in zweiter Instanz: 90 Tage zu 50,- DM pro Tag und wiederum Verbot des Romans in Deutschland.

Begründung des Gerichtes ist, dass das Karmagesetz in Deutschland nicht auf die Ermordung der Opfer im Holocaust bezogen werden darf.
Wörtlich: "Der Angeklagte kann sich nicht auf die Freiheit .... der Lehre und des Glaubens, Gewissens und Bekenntnisses berufen. Nach der grundgesetzlichen Wertordnung treten diese Freiheiten zurück hinter die Ehre und Menschenwürde Anderer, die es zu achten gilt." (Teil V., Seite 13)


http://www.china-intern.de/page/tibet/1107122479.html

In gewisser Weise ist das Urteil verständlich. Trutz Hardo glaubt, die Opfer der Shoa hätten ihr Schicksal selbst gewählt und die logische Konsequenz daraus ist, dass die Täter sich unschuldig fühlen können. Das passt nicht in die westliche Vorstellung von Gerechtigkeit.

Lässt sich Wahrheit verbieten? Wohl kaum, denn entweder ist etwas so, oder so, oder eben nicht. Ein Gericht kann nicht darüber urteilen, ob ein Glaube richtig, oder falsch ist, es kann sich nur an Fakten halten. Glaube ist kein Fakt, sondern meistens eine total irrationale Angelegenheit. In diesem geschilderten Fall steht die gesetzlich garantierte Religionsfreiheit, dem persönlichen Glauben gegenüber. Das ist das Dilemma der freien Gesellschaft, die allen Glauben erlauben möchte, deshalb alle Widersprüche dagegen verbietet, auch wenn er noch so unsinnig ist, aber andererseits die dadurch aufkommenden Widersprüchlickeiten dem eigenen Weltbild gegenüber irgendwie ausgleichen muss, oder möchte. "Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann", heißt es so schön im Volksmund.

Also entweder hat Trutz Hardo mit seiner Theorie Recht, oder er hat Unrecht. Es wäre daher Aufgabe des Gerichts festzustellen, welche Theorie nun stimmt. Erst danach kann Recht gesprochen werden. Obwohl der Richter aber weiß, dass er gar nicht in der Lage ist die Wahrheit herauszufinden, befiehlt er, was Wahrheit zu sein hat.

Der Rabbi Yonassan Gershom https://en.wikipedia.org/wiki/Yonassan_Gershom glaubt auch an Wiedergeburt, sowie an Schuld und Sühne, findet in seinem geistigen Konstrukt aber einen Ausweg aus dem Dilemma, in dem Trutz Hardo, ebenso wie der ihn Richtende, steckt. Er löst den gordischen Knoten von Schuld und Unschuld bravurös.

Andere Holocaust-Opfer betrachteten ihren Tod als Kiddusch ha-Shem (eine jüdische Form von Martyrium durch Verfolgung) und erwarteten, direkt in den Himmel zu gelangen.

Gershom meint, niemand würde einen grausamen Tod wählen, sondern nur seine Lebensumstände, die dann vielleicht nicht so seien, wie man es sich vorgestellt habe, aber die Schuld der Täter bleibe bestehen, weil sie sich selbst für das Böse entscheiden würden.

In einem Punkt gebe ich ihm Recht (auch wenn das nur ebenso eine Theorie ist, nämlich meine): Man sucht sich seine Lebensumstände (unbewusst) aus, die aber dann oft nicht so sind, wie man es sich vorgestellt hat.

Da auch die Antroposophen an Wiedergeburt glauben und sich daher von Gershom angesprochen fühlen, kam es zum Dialog, der für ihn etwas irritierend ablief. Man konfrontierte ihn mit der Steinerschen Theorie, eine Seele werde durch Zyankali "aufgelöst". https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner

«Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften [beachten Sie bitte den Gebrauch des Reflexivpronomens ‹sich›], dann hat die Seele die Absicht, überall mit jedem Körperteilchen mitzugehen, und namentlich sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulösen im Weltenall. Das ist der wirkliche Tod von Seele und Geist.» (Rudolf Steiner, Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur, Gesamtausgabe Nr. 351, Dornach 1988.)

Diesen Satz suchte der Rabbi Yonassan Gershom in Steiners Büchern, weil ihn die Antroposophen fragten, wieso die Seelen von Menschen (die er therapierte und die glaubten, in einem früheren Leben von den Nazis ermordet worden zu sein), überhaupt überleben hätten können.Sie wurden ja mit Gas getötet, von dem Steiner behauptete, die Seele aufzulösen.

Gershom: Als ich in Berlin war, fragten mich verschiedene Anthroposophen: «Wie kann es sich bei den Fällen in Ihren Büchern um wiederverkörperte Seelen handeln, die in den Gaskammern ums Leben gekommen sind, wenn doch Zyankali die Seele für immer zerstört?» Ich verstand diese Frage nicht. Aus jüdischer Sicht ist die Seele ewig und kann nie zerstört werden, außer – was der Himmel verhüten möge – durch den Willen Gottes. Die Art des irdischen Todes kann das Weiterleben der Seele nicht beeinflussen, weil der Körper nur ein vorübergehendes Kleid ist. Deshalb sollte der Tod durch Zyankali nicht anders sein als sonst ein Tod.

Weiters stellt er eine interessante Theorie in diesem Zusammenhang auf:

Hingegen besteht die schauerliche Möglichkeit, daß die Nazis genau deshalb Zyankali verwendeten, weil sie damit außer den Körpern auch die Seelen der Juden zu zerstören hofften.

http://www.pinenet.com/~rooster/preface2.html

Beweisen lässt sich diese Theorie zwar nicht, aber es ist eine Tatsache, dass die Lehren der Antroposophen den Nazis teilweise als Vorbild dienten.

Gershom wurde teilweise auch falsch verstanden und musste sich rechtfertigen. Er meinte:

"Tatsächlich zählte ich viel mehr Juden als Nicht-Juden, die sich wiederinkarniert haben. Das wurde falsch interpretiert. Ich hätte damit sagen wollen, daß die meisten Menschen in ihrem jetzigen Leben nicht jüdisch seien. Wenn ich eines korrigieren möchte, dann ist es das."

http://www.pinenet.com/~rooster/info3-a.html

Die Antroposophen haben wohl auch an fremden Theorien zu knabbern, weil diese mit der ihren so ganz und gar nicht kompatibel sind.

Gershom: "Ein Anthroposoph meinte sogar, weil Zyankali die Seele zerstöre, könnten die von mir dargestellten Fälle von Reinkarnation gar nicht Holocaust-Opfer sein. Er vermutete, daß es sich um Seelen von Nazis handle, die sich während ihrer «Lebensrückschau» nach dem Tod mit ihren Opfern identifiziert hatten und nun mit Erinnerungen wiedergeboren wurden, die ihnen als die eigenen erschienen."

So entstehen die krausesten Theorien, weil verschiedene Vorstellungen aufeinanderprallen und das scheinabr logische Gefüge der eigenen Theorie erschüttern. an kann sich ungefähr vorstellen, wie "Glaube" neue Ideen kreiert.
Alles muss zusammen passen, alles muss in sich logisch sein, damit man selbst daran glauben kann. Man ist gezwungen zu selektieren, sobald man mit neuen Erkenntnissen konfrontiert wird. Kein Element fremder Erkenntnis darf sich einschleichen, das auch nur ansatzweise der eigenen, alten zuwider läuft.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema ist auf dieser Ebene unmöglich. Sobald es um einen Glauben geht, prallen Logik und Beweis ab.

Ich habe selbstverständlich auch meine eigene Theorie zu der Frage, was der Sinn und Zweck von Wiedergeburt sein könnte. Bisher habe ich keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass es bei der Wiedergeburt um Lohn und Strafe geht. Meine Überlegungen alleine sind jedoch kein Beweis. Bis ich eine überzeugende Antwort finde, bleibt alles nur eine Theorie. Allerdings wehre ich mich gegen die Mentalität derer, die es zu wissen glauben und die meinen, es müsse so, oder so sein, weil es gerecht wäre, oder weil es richtig wäre, oder gut, oder was weiß ich was. Wahrheit muss nicht notwendigerweise angenehm sein.

Eines aber ist sicher: Wiedergeburtstheorie heisst nicht, die Täter quasi freisprechen zu wollen, denn eine Tat bleibt immer was sie ist - und es ist auch nicht weniger schlimm für die Opfer, wiedergeboren zu werden, als ganz einfach tot zu sein. Ich behaupte, es ist sogar schlimmer, denn wer einfach tot ist, hat alles Leid hinter sich gebracht, ob es nun sinnvoll, oder unsinnig gewesen sein mag (für andere, denn selbst hat man ja nichts davon wenn man leidet), aber wer wiedergeboren wird, leidet an seinem erschreckenden Schicksal weiterhin, weil Traumen auch durch den Tod nicht geheilt werden können.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen