Hinweis

Auch wenn die meisten Menschen esoterische und paranormale Themen für harmlos halten, möchte ich doch darauf hinweisen, dass sie für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, sowie für Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung, schweren psychischen Leiden, oder Bewusstseinsstörungen, nicht geeignet sind. Wer meinen Blog liest, tut dies auf eigene Verantwortung, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren empfehle ich vom Lesen einzelner Artikeln dieses Blogs Abstand zu nehmen, obwohl (rein rechtlich gesehen) keine jugendgefährdenden Inhalte auf meiner Seite zu finden sind. Meiner Meinung nach können aber esoterische und paranormale Themen, sowie Verschwörungstheorien bei Kindern und Jugendlichen zu Ängsten führen und in Folge dessen zu irrationalem Verhalten. Die Erziehungsberechtigten sollten in jedem einzelnen Fall darüber entscheiden, ob ihre Kinder die nötige Reife besitzen.

Montag, 20. Februar 2017

War Karlen in ihrem früheren Leben Anne Frank?


Diese Frage kann wohl niemand mit Sicherheit beantworten. Angeblich gibt es neben Karlen noch acht weitere Frauen die glauben, die wieder inkarnierte Anne Frank zu sein. Das alleine wäre ein Grund, sich näher mit diesem Fall zu beschäftigen. Doch statt zu untersuchen, verliert man sich in ideologischem Geschwafel. Während die einen um ihr Recht kämpfen, Wiedergeburt als Lohn/Strafesystem darzustellen, wollen die anderen Wiedergeburt verbieten. Hoppla, das gab es ja schon anderswo!

Peking (China), 21.08.2007: Wie das amerikanische Satiremagazin Newsweek berichtet, hat die staatliche Religionsverwaltung Chinas ein Gesetz erwirkt, dass es buddhistischen Mönchen untersagt, ohne vorherigen Antrag und Genehmigung wiedergeboren zu werden. Mönche außerhalb Chinas sind automatisch von der Wiedergeburt ausgeschlossen.

http://de.uncyclopedia.org/wiki/UnNews:China_verbietet_Tibetern_ungenehmigte_Wiedergeburten

Das ist keineswegs eine Satire, sondern die nackte Wahrheit.

Georg Otto Schmid verbietet zwar nicht, aber er meint wohl, das gehöre verboten:

Hier liegt die eigentliche Gefahr des Reinkarnationsglaubens: dass historische Geschehnisse im Grunde jede Bedeutung einbüssen. Einmaliges wird unwichtig, unfaire und auch schreckliche Konstellationen unerheblich oder gar wünschbar, da sie die Möglichkeit schaffen, Karma abzutragen. So wird derjenige Glaube, der geglaubt wird, um der Bedeutungslosigkeit des Einzelnen zu entgehen, zu einem Glauben, der dazu beiträgt, dass das Einzelne der Geschichte seine Bedeutung verliert.

http://www.relinfo.ch/karlen/info.html

Kann man es sich aussuchen, ob es Wiedergeburt gibt, oder nicht? Ich glaube nicht. Entweder es gibt Reinkarnation, oder eben nicht.Abgesehen davon stimmt seine Behauptung nicht. Im Gegenteil wird jedes Lebewesen wichtiger, sofern die Wiedergeburtstheorie Realität ist, weil jedes Vorleben Bedeutung hat für das was man gerade ist.

Wäre es nicht sinnvoller, sich ernsthaft mit diesem Fall zu beschäftigen, statt ihn verbieten zu wollen? Wenn Karlen nicht die Wiederverkörperte Anne Frank ist - warum versucht man nicht, dies zu beweisen - und wenn sie es doch ist - tut man ihr dann nicht doppelt Unrecht?
https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank#/media/File:AnneFrankSchoolPhoto.jpg
Ich kann nicht feststellen, ob sie Anne Frank war, oder nicht, aber ich kann mir Gedanken machen, ob das was sie behauptet plausibel ist, oder nicht. Was spricht dafür, was spricht dagegen?

Die Tagebücher der Anne Frank sind heftig umstritten. Sie wurden immer wieder als Fälschungen bezeichnet, was zu Prozessen und Schlagzeilen führte. Andererseits wurden sie heftig beworben und sogar auf ihrer Basis Theaterstücke geschrieben und auch Filme wurden nach diesen Angaben gedreht.

Im Elternhaus von Barbro Karlen war Anne Frank offenbar Thema, denn - wie Karlen selbst schreibt - fuhren sie mit ihrer Tochter nach Holland, als diese 10 Jahre alt war und besuchten das Haus, in dem Anne Frank sich versteckt hielt. Das tut ja nicht jeder der nach Amsterdam fährt. Es wäre durchaus möglich, dass sie auch schon früher von ihr hörte, oder etwas in der Zeitung las, vielleicht ein Bild sah. Ernsthafte Forscher würden die Eltern über diesen Umstand befragen, leider geht das nicht mehr, weil sie bereits verstorben sind. Ihre angeblichen frühen Erinnerungen könnten theoretisch Pseudoerinnerungen sein, aufgrund von mitgehörten Diskussionen der Eltern über einen Film, oder einen Zeitungsartikel. Der Besucht dieses Hauses könnte auch dazu geführt haben, dass sie sich mit Anne Frank identifiziert. Umgekehrt könnte es sein, dass diese Reise die Folge ihrer unterbewussten Wünsche waren, sich an ihr Vorleben zu erinnern.

Karlen schreibt, sie wäre von einem Psychologen untersucht worden. (Seite 9) Lebt dieser Psychologe noch, kann man ihn befragen, ob diese Behauptung stimmt?

Kontra: Warum schreibt Karlen nicht in der ich-Form, wenn es sich um eine Biographie handelt? Ist sie sich unterbewusst vielleicht doch nicht so sicher, dass sie Anne Frank war und stellt deshalb eine Distanz zur "Wiederverkörperten" her? Warum erfindet sie ausgerechnet einen Namen, der angeblich häufig von Jüdinnen getragen wurde - eine Klischeevorstellung!

Sie schreibt, sie hätte NATÜRLICH vom Hinterhaus und vom Tagebuch gehört, hätte das Tagebuch aber nicht lesen mögen, weil: Sie wollte ihre Erinnerungen ruhen lassen. Und sie wollte sicher sein, daß sie sich etwa nicht bloß "erinnerte", weil sie irgendwo von dieser Zeit gelesen hatte. (Seite 11)

Kontra: Das ist nicht das Verhalten eines zehnjährigen Kindes und schon gar nicht das Verhalten eines Menschen, der sich an ein Vorleben erinnern kann. Ein Kind überlegt nicht, ob es sich vielleicht etwas nur einbilden könnte, weil es etwas liest. Eher würde es begierig das Buch lesen, um sich besser erinnern zu können.

Ob sich alles bei ihren Besuch des Verstecks so abgespielt hat, oder nicht kann man schwer sagen, denn auch hierbei könnte es sich um eine Pseudoerinnerung handeln. Auch darüber hätte man man die Eltern befragen müssen, was jetzt nicht mehr möglich ist.

Kontra: Im Internet gibt es Fotos die eine Ähnlichkeit zwischen beiden Personen beweisen sollen. Karlen hat andere Gene als Frank sie hatte. Sie muss ihr nicht ähnlich sehen. Selbstverständlich könnte es äußer Ähnlichkeiten geben, wenn man wiedergeboren wurde, aber es muss nicht unbedingt sein. Kinder sehen noch nicht so besonders differenziert aus, sie sehen einander oft ähnlich. Es könnte jedoch sein, dass Karlen ein Foto der Anne Frank sah und eine Ähnlichkeit festzustellen glaubte und sich deshalb mit ihr identifizierte.

Pro: Wenn es eine große Ähnlichkeit gibt, könnte das aber auch für eine Wiederverkörperung sprechen. Ich sehe allerdings keine besondere Ähnlichkeit.

Auf einer leider nicht mehr im Internet aufzufindenden Seite 
schreibt sie:

"Ich war acht oder neun Jahre alt, als meine Lehrerin in der Schule von Anne Frank zu erzählen begann. Ich war höchst erstaunt, wie sie mir etwas erzählen konnte, was ich schon mein ganzes Leben lang gekannt hatte. Ich hörte die Geschichte und begriff, dass Anne Frank eine berühmte Person war, die dieses Tagebuch geschrieben hatte. Als meine Lehrerin über Anne Franks Leben sprach, wußte ich, dass manches stimmte, manch anderem aber konnte ich nicht zustimmen."

Kontra: Sie wusste also schon relativ früh wer Frank war. Warum konnte sie manchem nicht zustimmen? Es gibt keinen Grund an dem zu zweifeln, was Anne Frank schrieb. Vielleicht wurde einiges weggelassen, aber es wurde nichts dazu getan.

"Aber seither habe ich keine vergleichbaren Erlebnisse gehabt, außer in meinen Träumen. Als ich etwa fünfzehn war, begannen die Träume allmählich abzuklingen und wurden unbestimmter. Langsam ließen sie mich los,"

Kontra: Sie sagt, sie habe ihre Informationen aus Träumen. Normale Träume sind keine sichere Informationsquelle. Visionen schon, aber davon sagt sie nichts.

Kontra: Dass sie Polizistin wurde, obwohl oder gerade weil sie Angst vor Uniformen hatte, ist eher wenig überzeugend.

"Es war trist und düster und unheimlich, aber das war ja viel besser, als lebendig vom Hitlervolk verbrannt zu werden." (Seite 31)

Die Juden wurden nicht lebendig verbrannt, sondern vorher vergast.

"Sie schreit laut auf, als jemand sie im Nacken fasst und sie hervorzerrt.....und als sie die Treppe hinunter gejagt wird, fällt sie auf der untersten Stufe und bleibt liegen. Voller Entsetzen blickt sie zu ihrem Peiniger auf. Seine Augen glühen vor Haß, er reißt sie an den Haaren vom Boden in die Höhe. "Hoch mit dir, du Schlampe" Er zieht sie an den Haaren auf die Straße hinaus ...." (Seite 134)

Kontra: Dem steht die Aussage von Annes Vater gegenüber der sagte, Karl Josef Silberbauer habe sich bei der Verhaftung korrekt verhalten. Er wollte sogar auf dessen Verfolgung verzichten und lieber die Person finden, welche die Familie verraten hatte.

An das Wort „Silber“ aus Silberbauers Namen konnten sich 1948 zwei befragte SD-Beamte in einer ersten Untersuchung erinnern. Wiesenthal bat Otto Frank um seine Hilfe, dieser weigerte sich jedoch, da er der Meinung war, dass nicht ihr Verhafter, der auf Befehl handelte und sich Otto Franks Angaben zufolge während der Verhaftung „korrekt“ verhalten hatte, sondern ihre Verräter gesucht werden sollten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Josef_Silberbauer

"Sie wird in ein schwarzes Auto gezerrt und er setzt sich neben sie. Sie spürt, wie sich seine Hände unter ihrem Pullover zu schaffen machen und eine ihrer Brüste umgreifend, während er ihr Gesicht in seinen Schoß drückt........... (Seite 143)

Sie befindet sich in einem Lager und derselbe Mann der sie verhaftet und im Auto sexuell belästigt hat kommt zu ihr und bedroht sie. Eine Aufseherin ist eifersüchtig. Das allerdings zu unrecht, was das Mädchen betrifft, denn dieses wehrte sich bisher erfolgreich gegen eine Vergewaltigung. Die Aufseherin erschießt unabsichtlich den Mann und wird anschließend sofort von anderen Soldaten erschossen. (Seite 163)

Sie hat ihre Mutter und Schwester sterben gesehen und wird nun lebendig in den Ofen geworfen. (Seite 174)

Alles was Karlen hier behauptet, entspricht ganz sicher nicht den Tatsachen. Das ist reine Fantasie. Hier die Tatsachen:

Edith Frank starb am 6. Januar 1945 in Auschwitz an Hunger und Erschöpfung.
Am 28. Oktober deportierten sie 1308 Frauen aus Birkenau ins KZ Bergen-Belsen. Sie gehörten zu den insgesamt 8.000 „kranken, aber potentiell wiederherstellungsfähigen Frauen“ (Müller 2000: 337), die für einen späteren Einsatz in der Rüstungsindustrie vorgesehen waren. In Bergen-Belsen brachte man Anne und Margot sowie die anderen Gefangenen in Zeltlagern unter. Die beiden Mädchen verlegte man im Januar 1945 in ein Schonungslager. Dort traf sie ihre Freundinnen Hannah Goslar und Nanette Blitz wieder, die seit Februar 1944 als „Austauschjüdinnen“ in einem anderen Lagerteil gefangen waren. Bei ihren Gesprächen am Zaun erzählte Anne, die wegen Läusebefalls nur mit einem Tuch bekleidet war, dass sie und ihre Schwester alleine seien,
weil sie ihre Eltern für tot hielt. Hannah und Nanette beschrieben Anne als kahl, ausgemergelt und zitternd, aber Anne zeigte sich trotz ihrer eigenen Krankheit mehr um Margot besorgt.

Im März 1945 breitete sich eine Typhus-Epidemie im Lager aus, die (geschätzt) 17.000 Gefangene tötete und der auch Anne und Margot zum Opfer fielen. Laut Zeugenaussagen fiel Margot geschwächt von ihrer Pritsche und starb. Einige Tage später war auch Anne tot.


Kontra: Sie hat also ihre Mutter nicht sterben gesehen und sie wurde nicht lebend verbrannt.

Die anderen Häftlinge beschrieben Anne als stark oder introvertiert. Ihre Sehnsucht und ihr Lebenswille erwiesen sich als treibende Kraft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank

Kontra: Hätte es derartige, geschilderte Vorkommnisse gegeben, hätten die anderen Häftlinge sicher darüber berichtet. Es handelte sich offensichtlich um die Fantasie eines Kindes, welches Erzählungen über Nazigräuel in ihren Träumen verarbeitete.

Das Buch "...und die Wölfe heulten", im Perseus Verlag erschienen, enthält leider auch nur ganz kurze Fragmente ihrer Träume. Es stellt sich auch die Frage, inwieweit sie sich überhaupt korrekt als Erwachsene an ihre Kindheitsträume erinnern konnte. In diesem Buch geht es auch nicht in erster Linie um Reinkarnation, sondern um ihre derzeitige Geschichte, so wie sie diese sieht. Die Reinkarnationsträume sind nur eingestreut und können wohl insgesamt nicht mehr als drei, oder vier Seiten ausmachen. Sie dienen mehr oder weniger der Erklärung, bzw. Unterstellung, die Leute mit denen sie in diesem Leben Schwierigkeiten hat, wären die wiedergeborenen Verfolger der Anne Frank. Somit weist sie jede eigene Schuld an ihren derzeitigen Problemen weit zurück. Vielleicht distanziert sie sich auf diese Weise auch von der möglichen Kollektivschuld der Europäer an der Shoa. Sie setzt sich gar nicht mit ihrem vermuteten Vorleben auseinander.

Es spricht nicht sehr viel dafür, dass beide Personen identisch sind. Fast nichts von dem was sie über Anne Frank behauptet, entspricht den historischen Tatsachen. Gemeinsam haben beide Personen die schriftstellerische Neigung. Das ist der einzige Berührungspunkt.

Es ist schade, dass bisher Reinkarnationsforscher Karlen anscheinend nicht hypnotisiert haben, um festzustellen woran sie sich wirklich erinnert - oder eben auch nicht und ich verstehe auch nicht, dass sie nicht von sich aus in dieser Richtung forscht. Das wäre man Anne Frank schuldig.

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