Montag, 9. Januar 2017

Schöpfungsmythen - der Golem

Wir kennen heute viele Schöpfungsmythen. Doch noch vor wenigen Jahrhunderten durften die Menschen Europas nur an die biblische Schöpfungsgeschichte glauben. Oder besser gesagt, an die biblischen Schöpfungsgeschichten. Im Altertum kursierten aber viele verschiedene Schöpfungsmythen im Orient und im ägyptischen Raum. Die Geschichte des Golem ist eine davon. Sie basiert ebenso wie auch die biblischen Geschichten, auf ganz alten Mythen. Gemeinsam ist ihnen allen der Glaube, die Menschen seien aus Lehm gebildet worden. Doch Lehm ist das akkadische Wort für Materie. So dumm wie wir heute glauben, waren die Menschen damals offenbar auch wieder nicht.






In späteren Zeiten geriet die wahre Bedeutung des Wortes in Vergessenheit. Man dachte, die Menschen seien tatsächlich aus Lehm geformt worden. Auf diesem Irrtum baut die Golem-Sage auf.

In Prag lebte Rabbi Löw (1525–1609), dem man mystische Neigungen zuschrieb. Er soll eine Figur aus Lehm geformt und dieser Leben verliehen haben, indem er ihr einen Zettel in den Mund steckte, auf dem der geheime Name Gottes stand. Dieser Golem wachte nun über die jüdische Gemeinde. (ata bra Golem devuk hakhomer v'tigtzar tzedim khevel torfe yisrael – „schaffe du aus Lehm einen Golem und überwinde das feindselige Pack, welches den Juden Übles will“) (wikipedia) Doch irgendwann geriet er außer Kontrolle. Dem Rabbi gelang es aber, den Golem wieder abzuschalten, indem er den Zettel entfernte. Als er der Meinung war, der Golem sei nicht mehr nötig, tötete er ihn durch ein Ritual. Seine Überreste sollen sich noch heute auf dem Dachboden der Altneusynagoge befinden.

Es gibt verschiedene Versionen dieser Geschichte. Gustav Meyrinck hat sie in seinem Roman insofern verwendet, als er an das Ende anknüpft und den Golem, der auf dem Dachboden in einem Zimmer ohne Türen und ohne Fenster, weiter umherstreifen lässt. "Dreht euch nicht um, der Golem geht rum!"

In der Kabbala wird erklärt, wie man einen solchen Golem erschaffen kann. Es ist eine Form der Buchstaben- und Zahlenmagie, die lange Jahre Studium voraussetzt, will man sie verstehen.

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